AFP, Sebastian Kahnert

Studie: Schon wenige Social Bots können womöglich Stimmung in Netzwerk lenken

11.02.2019

Duisburg (AFP) - Einem virtuellen Experiment zufolge können wenige sogenannte Social Bots ausreichen, um in einem Netzwerk die Stimmung zu lenken. Dies fand ein interdisziplinäres Team der Universität Duisburg-Essen (UDE) bei Forschungen zum Einfluss dieser Softwareroboter in sozialen Medien heraus, wie die Hochschule am Montag mitteilte. Die Ergebnisse wurden jetzt im "European Journal of Information Systems" veröffentlicht.

Social Bots sind Computerprogramme, die in sozialen Medien wie echte Nutzer agieren und automatisiert Botschaften verbreiten. Vermutungen zufolge sollen sich mit Bots Themen künstlich anschieben und Debatten verfälschen lassen. Demnach könnten sie auch politische Wirkung entfalten, was beispielsweise bei der bevorstehenden Europawahl befürchtet wird.

"Wie stark Bots Nutzer beeinflussen können, war bislang nicht nachzuweisen, weil die wissenschaftlichen Methoden fehlten", erklärte der UDE-Informatiker und Projektleiter Björn Ross. "Wir haben daher ein Netzwerk mit tausend virtuellen Akteuren simuliert und angenommen, dass die Meinungen zu einem Thema 50 zu 50, positiv und negativ, sind. In der Hälfte der Fälle gewinnt eine Seite die Oberhand - ohne dass Bots im Spiel sind."

Der Coautor German Neubaum verwies in diesem Zusammenhang auf Erkenntnisse zur sogenannten Schweigespirale. Aus der Forschung sei bekannt, "dass Menschen sich weniger trauen, ihre Meinung zu vertreten, wenn sie sich damit in der Minderheit wähnen". "Deswegen haben wir untersucht, wie Bots eine solche Spirale auslösen können."

Dabei fand das UDE-Team heraus, dass bereits eine geringe Anzahl von zwei bis vier Prozent Bots erreichen könnten, dass Nutzer in einer kontroversen Diskussion lieber still sind. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent auf zwei Drittel, dass sich die von den Robotern unterstützte Meinung durchsetze. Es entstehe ein falscher Eindruck der Stimmungslage.

"Wie erfolgreich Bots Einfluss nehmen, hängt unter anderem von drei Faktoren ab", erläuterte Ross. "Wie viele Verbindungen gibt es zwischen den Nutzern eines Netzwerks? Wo werden die Bots in diesem platziert, zentral oder am Rand? Und vor allem, sind sie so gut programmiert, dass sie wie ein Mensch agieren?"

Noch sind Social Bots nicht so vollkommen, dass sie sich nicht erkennen lassen, wie die Forscher weiter hervorhoben. Doch wahrscheinlich würden sie nach und nach optimiert - auch für wenig wünschenswerte Zwecke wie Täuschungen. Dann könnten sich Softwareroboter tatsächlich zu einer Gefahr für die Demokratie entwickeln.

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