AFP, Bernd Thissen

Evangelischer Kirchentag beginnt am Abend in Dortmund

19.06.2019

Dortmund (AFP) - Vor dem Beginn des Evangelischen Kirchentags am Abend in Dortmund hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, den Ausschluss von AfD-Politikern von Podien der Veranstaltung erneut begründet. "Radikale Einstellungen, die ganze Menschengruppen abwerten und sogar Rassismus und Antisemitismus befördern, haben auf öffentlichen Podien des Kirchentags nichts zu suchen", sagte Bedford-Strohm der "Passauer Neuen Presse" vom Mittwoch.

Der fünftägige Kirchentag beginnt am Abend mit einer Eröffnungsfeier, auf der auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen soll. Bis Sonntag rechnen die Veranstalter mit rund hunderttausend Teilnehmern, denen insgesamt etwa 2000 Veranstaltungen angeboten werden. Zu den Kernthemen zählen der Klima- und Umweltschutz. Bedford-Strohm begrüßte, dass "Fragen des Klimaschutzes endlich im Zentrum der öffentlichen Diskussion angekommen" seien. Der Kirchentag steht in diesem Jahr unter der biblischen Losung "Was für ein Vertrauen".

Zur Debatte um die AfD hob Bedford-Strohm weiter hervor, dass selbstverständlich alle Menschen als Teilnehmer des Kirchentags willkommen seien, "natürlich auch Menschen, die der AfD nahestehen". Es sollten lediglich Politiker der Partei nicht auf den Podien vertreten sein. Er wies darauf hin, dass es unterschiedliche Motive gebe, warum sich jemand der AfD nahe fühle. "Es gibt aber auch Rechtsextreme in der AfD und ihrer Führung, die menschenfeindlich sind und sich im tiefen Widerspruch zum Christentum bewegen - wer die AfD unterstützt und wählt, gibt ihnen Deckung", gab der Bischof weiter zu bedenken.

Die Vorsitzende der EKD-Synode in Deutschland, Irmgard Schwaetzer, sagte im Südwestrundfunk zu der AfD-Entscheidung, der Grund sei gewesen, "dass wir kein Podium für die Verbreitung der Abgrenzung und möglicherweise auch des Hasses bieten wollen". Sie äußerte sich besorgt über eine zunehmende Radikalisierung in der deutschen Gesellschaft.

Kirchentagspräsident Hans Leyendecker sagte, er wisse auch nicht, über was er beispielsweise mit AfD-Chef Alexander Gauland auf einem Podium diskutieren solle: "Ich hab neulich ein Papier der AfD gelesen, da geht es um den Klimawandel. Und da wird bestritten, dass der menschengemacht sei. Und soll ich da irgendjemanden, der eine völlig absurde These vertritt, auf das Podium holen? Was sollen die Kirchentagsbesucher davon lernen können?", fragte Leyendecker im Bayerischen Rundfunk.

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