(spe/spot), Daimler AG

Mercedes E-Klasse Cabriolet: Vom Winde verschont

06.07.2017

Den Kragen der Lederjacke hochschlagen, Sonnenbrille auf - und los geht's. Cabrio fahren ganz cool in alter James-Dean-Manier. Diesen Purismus an Frischluft scheint Mercedes seinen Kunden jedoch nicht mehr zumuten zu wollen. Im Gegenteil: wer im neuen Cabriolet der E-Klasse Himmel und Sonne über sich genießen möchte, kann dies auf eine Art und Weise zelebrieren, die selbst den Fahrer eines Rolls-Royce Dawn neidisch machen könnte. Denn die Haare der Insassen bleiben von lästigen Verwehungen und Verwirbelungen weitestgehend verschont...

Die Mercedes-Ingenieure haben dafür tief in die Trickkiste gegriffen. Es gibt wohl kein viersitziges Cabriolet weltweit, bei dem man sich so intensive Gedanken um das Wohlbefinden der Passagiere, besonders jener im Fond gemacht hat. Vermutlich haben die Aerodynamiker im Windkanal den Dummy-Puppen kleine Wollfäden an die Köpfe geklebt oder ihnen Perücken aufgesetzt, um exakt zu erkennen, wo es die Haare zerzaust. "Windtechnisch wird gewöhnlich die hintere Mitfahrt schon bei Tempo 40 unangenehm", sagt Marijan Celig. Der Mercedes-Produktmanager berichtet, seine Kinder hätten im neuen E-Klasse-Cabrio hinten nicht einmal bei Tempo 120 über Haar-Probleme gequengelt und weiterhin munter an ihren Handys gespielt.

Ein Duftstoff für den Luftsee

Als einen der Hauptgründe hierfür nennt Celig das sogenannte Aircap, ein ausfahrbarer Spoiler am oberen Rahmen der Windschutzschreibe. Manche finden ihn ziemlich hässlich, aber er sorgt durch sein Gittergewebe in Verbindung mit dem gleichzeitig ausfahrenden senkrechten Windschott hinter den Rücksitzen für Ruhe über den Köpfen. "Hinter der Frontscheibe bildet sich eine Art beruhigter Luftsee", erklärt Uwe Haller, der Designer des E-Klasse Cabriolets, das Phänomen. Ein Grund, warum es nach Meinung von Mercedes nicht unsinnig ist, dem Luftsee sogar feindosiert einen ölbasierten Duftstoff zuzufügen - natürlich extra für dieses Fahrzeug entwickelt. Er nennt sich verheißungsvoll "Daybreak Mood".

Antörnend ist auch der Sechszylinder-Biturbo-Benziner, mit dem unser Testwagen bestückt war. Er bildet so lange die derzeitige Topmotorisierung des E-Klasse Cabriolets, bis AMG mit seinen Power-Versionen nachzieht. Das Dreiliter-Aggregat leistet 333 PS und 480 Newtonmeter Drehmoment. Man muss keinen Nobelpreis in Physik haben, um zu wissen, dass dies in Kombination mit der serienmäßigen Neungang-Automatik zu einer äußerst geschmeidigen Art der Fortbewegung führt. Das ist Souveränität in allen Belangen.

Unter der Mütze herrscht Ruhe

Mercedes bietet das Cabriolet der E-Klasse zwar auch noch als Vierzylinderversion E 200 und E 300 sowie mit Dieselmotor (E 220 d und E 350 d) an, jedoch passt der V6-Benziner am besten zum Charakter eines solchen Fahrzeugs. Diesel-Sparfüchse sitzen hier im falschen Auto, auch wenn der neue, intern genannte OM 654 ein toller Motor ist. Das E-Klasse Cabrio ist kein Kilometerfresser für Handelsreisende, sondern ein eleganter und luxuriöser Cruiser. Und wer 60.000 oder 70.000 Euro für den Luxus des Offenfahrens ausgibt, muss nicht an der Tankstelle ein paar Euro beim Diesel sparen.

Bemerkenswert ist die Ruhe in dem neuen Mercedes-Cabrio, nicht nur bei heruntergeklapptem Verdeck, sondern erst recht im geschlossen Zustand. Die "Mütze", erhältlich in vier Farben, besteht aus diversen wattierten Schichten und passt sich dem Rest der Karosserie so an, wie man es von dem Stuttgarter Unternehmen und von einem Auto in dieser Preisliga erwartet: perfekt. Die Öffnungs- und Schließprozedur funktioniert sogar bis Tempo 50.

Gegenüber seinem Vorgänger wuchs das Cabriolet der E-Klasse um zwölf Zentimeter auf 4,83 Meter. Die Breite nahm um sieben, der Radstand um elf Zentimeter zu. Letzteres kommt natürlich den hinteren Fahrgästen zugute. Ihnen steht eine üppige Beinfreiheit zur Verfügung, bei der nicht einmal das S-Klasse-Cabrio mithalten kann. "Bestwert im Segment", kommentiert Produktmanager Marijan Celig kurz und knapp.

Um jeden Liter Kofferraum gerungen

Auch beim Kofferraum versuchten die Entwickler herauszuholen, was ging. Liegt das Verdeck zusammengefaltet unter dem Heckdeckel, bleiben von den ursprünglichen 385 Liter immerhin noch 310 übrig. Wer mehr Platz benötigt, kann per Knopf vom Kofferraum aus die Rücksitzlehnen umklappen. Früher gab es nur eine Luke für die Skier. Mercedes verspricht sogar, dass selbst die für die Klientel wichtige Golftasche hineinpasst. Allerdings nur eine. Das Spielgeschirr der Partnerin muss auf den Rücksitzen verstaut werden.

Zu zweit unterwegs lässt sich für noch mehr Open-Air-Komfort ein weiteres Windschott aufspannen. Es wölbt sich muschelartig über die Rücksitze. Von Lederkragen, Coolness und traditionellem Cabrio-Feeling ist das Ganze natürlich Lichtjahre entfernt. Ebenso vom ersten E-Klasse Cabrio (124er-Baureihe), das die Stuttgarter 1992 auflegten. Damals ein mutiger Schritt. Es war wenig los auf dem Markt und viele dachten, viersitzige Cabrios hätten keine Zukunft, nicht zuletzt durch die hohen Sicherheitsanforderungen in den USA. Mercedes selbst hatte 1992 nur den SL im Programm. Und heute? Sieben zu öffnende Modelle findet der Interessierte im Portfolio des schwäbischen Autobauers, so viele wie bei keinem anderen Hersteller.

Technische Daten Mercedes E 400 4MATIC Cabriolet: Zweitüriges, viersitziges Cabrio, Motor: 3,0-Liter-Sechszylinder-Turbobenziner, Leistung: 333 PS (245 kW) bei 5.200.6.000 U/min, Drehmoment: 480 Nm bei 1.600-4.000 U/min, Getriebe: 9-Gang-Automatik, 0-100 km/h: 5,5 s, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Verbrauch: 8,3 l/100 km, CO2: 187 g/km, Länge: 4,83 m, Breite: 1,86 m, Höhe: 1,43 m, Leergewicht: 1.935 kg, Kofferraum: 385 Liter, Listenpreis: 70.281,40 Euro.

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