AFP, Andrea Warnecke

Zahl der Bafög-Empfänger im vergangenen Jahr deutlich gesunken

02.08.2019

Wiesbaden (AFP) - Die Zahl der Bafög-Empfänger ist in Deutschland weiter gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Freitag ging sie im vergangenen Jahr deutlich um 7,1 Prozent oder 55.000 auf etwa 727.000 zurück. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) sprach von einem neuerlichen Beleg dafür, wie dringend eine von Bundesregierung und Parlament inzwischen beschlossene Erhöhung der Ausbildungsförderung für Studenten und Schüler sei.

Nach DSW-Angaben ging die Zahl der Bafög-Empfänger seit 2012 kontinuierlich zurück. Dessen Generalsekretär Achim Meyer bezeichnete dies in Berlin als eine "Talfahrt sondergleichen". Er äußerte aber zugleich die Erwartung einer Trendwende durch die zum aktuellen Wintersemester greifenden Bafög-Erhöhungen. Mehr Studenten erhielten deshalb mehr Geld.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden waren 518.000 der Bafög-Bezieher im vergangenen Jahr Studenten, bei 209.000 handelte es sich um Schüler. Die Zahl der geförderten Studenten sank im Vergleich zum Vorjahr 2017 demnach um sieben Prozent, die der geförderten Schüler ging um 7,3 Prozent zurück.

Auch die durchschnittliche Bafög-Höhe sank. Im Durchschnitt bezogen Studenten laut amtlicher Statistik im vergangenen Jahr 493 Euro im Monat und damit sechs Euro weniger als im Jahr davor. Schüler bekamen 454 Euro und damit zwei Euro weniger.

Die Grünen im Bundestag kritisierten die von der Regierung in die Wege geleiteten Erhöhungen als unzureichend. Von 2013 bis 2018 sei die Zahl der Bafög-Empfänger um etwa 250.000 auf einen historischen Tiefstand gefallen, erklärte deren Forschungs- und Hochschulpolitikexperte Kai Gehring in Berlin.

Auch wenn die nun greifende Reform wie vorausgesagt zu 100.000 neuen Förderberechtigten führen werde, bleibe damit insgesamt "ein deutliches Minus". Zudem reichten die von der Regierung beschlossenen Erhöhungen nicht einmal aus, inflationsbedingte Preissteigerungen der Lebenshaltungs- und Wohnkosten der vergangenen rund drei Jahre zu decken, kritisierte Gehring.

Auch die Linke im Bundestag forderte energischere Maßnahmen zum Ausbau der Bafög-Förderung. Deren Hochschulexpertin Nicole Gohlke wies in Berlin darauf hin, dass die Zahl der Studenten in Deutschland parallel zum starken Rückgang der Förderberechtigten insgesamt um rund ein Drittel gestiegen sei.

Die Entwicklungen führten auch dazu, dass immer weniger Kinder aus Nicht-Akademikerhaushalten ein Studium aufnähmen, erklärte Gohlke. Es seien weitere Reformen nötig, etwa auch "armutsfeste Fördersätze" sowie hinreichend lange Bewilligungszeiträume.

In Deutschland trat zum 1. August 2019 eine Bafög-Reform in Kraft. Die Fördersätze werden angehoben, ebenso die sogenannten Einkommensfreibeträge der Eltern. Dadurch sollen wieder mehr junge Menschen in den Genuss von Bafög-Leistungen kommen.

Die Ausgaben des Bundes für die Sozialleistung sanken als Folge des Rückgangs bei der Zahl der Bafög-Bezieher und der Förderhöhe um 233 Millionen Euro oder 7,9 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte. Für die Schülerförderung flossen 700 Millionen Euro, 53 Millionen Euro weniger als 2017. Für die Förderung der Studenten zwei Milliarden Euro, 179 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.

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