AFP, AHMAD AL-RUBAYE

US-Armee greift Hisbollah-Stützpunkte im Irak und Syrien an

29.12.2019

Washington (AFP) - Nach dem Tod eines US-Zivilisten bei einem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt im Irak hat die US-Armee Stützpunkte der vom Iran unterstützten Hisbollah-Brigaden im Irak und in Syrien bombardiert. Die "defensiven Präzisionsschläge" gegen insgesamt fünf Hisbollah-Stützpunkte und Waffenlager seien eine Reaktion auf wiederholte Angriffe der schiitischen Miliz, erklärte das US-Verteidigungsministerium am Sonntag. Dabei wurden nach Angaben der proiranischen Hasched-al-Schaabi-Miliz 15 Kämpfer, darunter mehrere Kommandeure, getötet.

Pentagon-Sprecher Jonathan Hoffman erklärte, die Einsätze an drei Orten im Irak und zwei weiteren in Syrien verringerten die Fähigkeit der Kataib Hisbollah, weitere Angriffe gegen die Soldaten der US-geführten Militärkoalition im Irak zu verüben. Nach Angaben des irakischen Militärs ereigneten sich die US-Bombardements in der westlichen Provinz Anbar, die an Syrien grenzt. Dabei seien 30 Kämpfer verletzt worden. Ein irakischer Regierungssprecher sprach von einer "Verletzung der irakischen Souveränität".

Ein Vertreter der  Hasched-al-Schaabi-Milizen, zu der die Hisbollah-Brigaden teilweise gehören, sagte jedoch später der Nachrichtenagentur AFP, allein im Irak seien 15 Kämpfer getötet worden, darunter mehrere Kommandeure. Außerdem gebe es mehrere Verletzte. 

Kurz nach den Bombardements schlugen vier Katjuscha-Raketen in der Nähe des großen Militärstützpunktes Tadschi unweit von Bagdad ein, wo auch US-Soldaten stationiert sind. Dabei sei jedoch niemand verletzt worden, sagte ein Vertreter der irakischen Sicherheitsbehörden, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Den Hasched-al-Schaabi-Milizen gehören mehrere paramilitärische, größtenteils proiranische Gruppierungen an. Die 2014 für den Kampf gegen die  Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gegründeten Milizen unterstehen offiziell der Regierung, doch haben viele ihre Eigenständigkeit bewahrt.

Die Hisbollah-Kämpfer im Irak haben nach Darstellung des Pentagon-Sprechers "eine starke Verbindung zu den iranischen Al-Kuds-Brigaden", der im Ausland aktiven Elitetruppe der iranischen Revolutionsgarden, und sie erhielten auch anderweitig Unterstützung aus dem Iran. Damit hätten sie Soldaten der US-geführten internationalen Militärkoalition gegen den IS angegriffen.

Am Freitag war ein Militärstützpunkt im nordirakischen Kirkuk mit mehr als 30 Raketen beschossen worden. Dabei starb ein US-Zivilist, der für die US-Armee arbeitete. Zudem wurden mehrere irakische und US-Soldaten verletzt. Nach Angaben eines irakischen Sicherheitsbeamten war der Raketenangriff genau auf den Bereich des Stützpunktes verübt worden, in dem sich die US-Soldaten aufhalten.

Seit Ende Oktober wurden elf Raketenangriffe auf Anlagen im Irak verübt, auf denen US-Soldaten oder US-Diplomaten stationiert sind. Bei den ersten zehn Attacken gab es einen Toten und mehrere Verletzte in den Reihen der irakischen Armee, der Tod des US-Bürgers beim elften Angriff markierte jedoch einen Wendepunkt.

Niemand bekannte sich zu den Angriffen, die USA machen aber pro-iranische Milizen dafür verantwortlich. Die Beziehungen zwischen Washington und Teheran haben sich unter US-Präsident Donald Trump deutlich verschlechtert. 

Der Irak wird seit Anfang Oktober angesichts einer schweren sozialen Krise von einer beispiellosen Protestwelle erschüttert. Am Samstag blockierten Demonstranten die Zufahrt zu einem Ölfeld in Nasirijah im Süden des Landes und legten die dortige Produktion lahm. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden in den vergangenen Monaten mindestens 460 Menschen getötet und 25.000 verletzt. 

Unter dem Druck der Demonstranten trat Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi zurück, führt die Regierung aber geschäftsführend weiter. Der Iran übt großen Einfluss im Irak aus und versucht, die Bildung einer neuen Regierung zu beeinflussen. 

Die USA haben im Rahmen des Kampfes gegen den IS noch 5200 Soldaten im Irak stationiert, US-Präsident Donald Trump lehnt ein verstärktes militärisches Engagement in der Region jedoch ab. Diesen Spielraum nutzt wiederum der Iran, so dass der Irak zwischen Teheran und Washington zerrieben zu werden droht. Auch im Bürgerkriegsland Syrien spielt der Iran als Unterstützer von Machthaber Baschar al-Assad eine einflussreiche Rolle.

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