AFP, PABLO ROJAS

UNO wirft chilenischer Polizei schwere Menschenrechtsverstöße bei Protesten vor

13.12.2019

Genf (AFP) - Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat der chilenischen Polizei schwere Menschenrechtsverstöße bei den regierungskritischen Protesten in dem südamerikanischen Land vorgeworfen. Die Polizei sei "grundlegend repressiv" auch gegen friedliche Demonstranten vorgegangen, heißt es in einem am Freitag in Genf veröffentlichten Bericht, den UN-Experten nach drei Wochen vor Ort erstellt hatten. Demnach gab es schwere Verletzungen, Misshandlungen, Folter und Vergewaltigungen sowie sogar einige Todesopfer, deren Ableben mit den Sicherheitskräften in Verbindung gebracht wird.

Die Polizisten hätten mehrfach keinerlei Unterschied zwischen friedlichen und gewalttätigen Demonstranten gemacht, heißt es in dem Bericht. Insgesamt seien 113 Fälle von Folter und Misshandlungen sowie 24 Fälle von sexueller Gewalt gegen Frauen, Männer und Mädchen festgestellt worden. Die UN-Delegation war vom 30. Oktober bis 22. November vor Ort. UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet, ehemalige chilenische Präsidentin, hatte sie entsandt.

Offiziellen Angaben zufolge wurden zwischen dem 18. Oktober und dem 6. Dezember mehr als 28.000 Menschen festgenommen. Die meisten von ihnen seien mittlerweile wieder freigelassen worden. 1600 Menschen würden nach offiziellen Angaben noch festgehalten, sagte die Chefin der UN-Mission, Imma Guerras-Delgado, in Genf.

Bei den Massenprotesten in Chile wurden seit dem 18. Oktober offiziellen Angaben zufolge 26 Menschen getötet und mehr als 4900 weitere verletzt, 2800 von ihnen Polizisten. Die Proteste richteten sich zunächst gegen eine Erhöhung der Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr. Die Demonstranten kritisieren aber auch niedrige Löhne, hohe Kosten für Bildung und Gesundheit sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in dem südamerikanischen Land.

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