AFP, Bertrand GUAY

Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen

15.04.2019

Paris (AFP) - Ein Pariser Wahrzeichen steht in Flammen: In der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame ist am Montagabend ein Großbrand ausgebrochen. Aus dem Dach der gotischen Kirche schlugen riesige Flammen, die Turmspitze brach komplett in sich zusammen. Eine dichte Rauchwolke schraubte sich in den Himmel. Ein Teil der Seine-Insel, auf der die Kathedrale steht, wurde evakuiert. Das Feuer löste weltweit bestürzte Reaktionen aus.

Der Feuerwehr zufolge brach der Brand gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale aus und breitete sich rasend schnell aus. Die Fassade der Kirche wird zur Zeit aufwändig gereinigt. Der Brand könnte nach Einschätzung der Feuerwehr mit den Arbeiten zusammenhängen. Der Brand schien von den Baugerüsten auszugehen, die auf dem Dach installiert waren.

"Alles brennt", sagte der Sprecher von Notre-Dame, André Finot. "Von dem Dachstuhl, der zu einem Teil aus dem 19. Jahrhundert und zum anderen Teil aus dem 13. Jahrhundert stammt, wird nichts übrig bleiben." Ob die Flammen auch das Gewölbe erreichen werden, das die Kathedrale schützt, sei noch unklar. Emmanuel Gregoire, Beigeordneter der Pariser Bürgermeisterin, sagte, es werde versucht, alle Kunstwerke zu retten, "die noch zu retten sind".

Löschwagen aus ganz Paris rasten zur Ile de la Cité, der Insel inmitten der Seine, auf der Notre-Dame steht. Die Feuerwehr rief die Einwohner auf, die Gegend zu meiden und den "Rettungsfahrzeugen Platz zu machen". Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach von einem "furchtbaren Brand". Auch sie rief die Menschen über Twitter auf, die Sicherheitsabsperrungen zu respektieren. 

Ungeachtet dessen bildeten sich an den Quais und auf den Brücken große Zuschauermengen. Sichtlich geschockte Pariser und Touristen versammelten sich, einige weinten, andere beteten. Als die 93 Meter hohe Turmspitze in sich zusammenbrach, schnappten viele hörbar nach Luft.

"Das ist verrückt, ich kann es nicht glauben. Mir ist zum Weinen zumute", sagte Nathalie, eine 50-jährige Französin. "Paris ist entstellt. Die Stadt wird nie wieder so sein wie zuvor", sagte Philippe, ein Mittdreißiger.

Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Edouard Philippe wollten sich am Abend zur Kathedrale begeben. Der Staatschef schrieb auf Twitter, er teile die "Gefühle einer ganzen Nation". Wie alle Franzosen sei er traurig, "einen Teil von uns" brennen zu sehen, erklärte Macron. Seine für 20.00 Uhr geplante Fernsehansprache als Antwort auf die Proteste der "Gelbwesten" sagte der Präsident für diesen Tag ab, wie sein Büro mitteilte. 

Die Tragödie rief weltweit Bestürzung hervor: Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) twitterte, "die brennende Notre-Dame trifft auch uns ins Herz". Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, es tue "weh, diese schrecklichen Bilder" der brennenden Kathedrale zu sehen. Notre-Dame sei ein Symbol Frankreichs und der europäischen Kultur.

US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, es sei "schrecklich", dem "massiven Brand" zuzusehen. Auch die britische Premierministerin Theresa May bekundete ihre Anteilnahme. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan sprach von "herzzerreißenden Szenen" und erklärte auf Twitter, die britische Hauptstadt teile die Trauer Paris'. 

Die Generaldirektorin der Unesco, Audrey Azoulay, teilte auf Twitter mit, die Unesco werde Frankreich zur Seite stehen, um dieses "Welterbe von unschätzbarem Wert" zu retten. 

Ein Sprecher der französischen Bischöfe bezeichnete Notre-Dame als "Hochburg des katholischen Glaubens". Die Tragödie ereignete sich nur wenige Tage vor Ostern, dem wichtigste Fest im Christentum.

Die Kathedrale war gerade für elf Millionen Euro umfassend saniert worden, finanziert vom französischen Staat. Notre Dame gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der französischen Hauptstadt. Jedes Jahr besuchen zwischen zwölf und 14 Millionen Menschen die Kathedrale.

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