AFP, Patrick HERTZOG

Merkel würdigt Kohls "historisches" Lebenswerk für Deutschland und Europa

01.07.2017

Straßburg (AFP) - Beim Trauerakt für Helmut Kohl in Straßburg hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Verdienste des verstorbenen Altkanzlers für die deutsche und europäische Einheit hervorgehoben. Ohne Kohl wäre das Leben von Millionen Menschen "völlig anders verlaufen", sagte die Kanzlerin am Samstag in ihrer Ansprache im Europäischen Parlament. Kohls "tiefe europäische Überzeugung und das Vertrauen, das er weltweit genoss", hätten viele Bedenken gegen die deutsche Wiedervereinigung zerstreut. Sie fügte hinzu: "Das wird für immer die alles überragende, einmalige historische Leistung Helmut Kohls bleiben."

Merkel verwies darauf, dass Kohl eine klare "außenpolitische Maxime" gehabt habe: Er habe ein Europa gewollt, in dem es nie wieder Krieg gibt. "Gemeinsam mit Partnern bettete er die deutsche Einheit in die europäische Einigung ein", fügte sie hinzu. Dies sei "ein Werk des Friedens" und der Einheit gewesen. Vieles, was heute in Europa selbstverständlich erscheine, gehe auf ihn zurück. Er habe "einen Platz in den Geschichtsbüchern eingenommen". Merkel hob hervor: "Er verkörpert eine Epoche."

Merkel beschrieb den Altkanzler, der sie als junge Politikerin aus dem Osten gefördert hatte und unter dem sie jahrelang Ministerin war, als einen "den Menschen zugewandten Weltpolitiker". Für Partner sei auch klar gewesen: "Auf Helmut Kohl war Verlass."

Ganz offen verwies Merkel aber auch auf Kohls schwierige Seiten: "So manche Geister schieden sich an ihm, nicht wenige haben sich an ihm abgearbeitet und gerieben. Viele von uns, auch ich, können davon erzählen", sagte sie. All dies aber "tritt zurück hinter dem überragenden Lebenswerk". 

Mit bewegter Stimme wandte sich Merkel am Ende ihrer Traueransprache direkt an Kohl, dessen Sarg vor den Trauergästen im Straßburger Parlament aufgebahrt war: "Lieber Bundeskanzler Helmut Kohl", sagte sie. "Danke für die Chancen, die Sie mir gegeben haben." Sie dankte auch für die Chancen, die er generell Deutschen und Europäern gegeben habe. "Jetzt ist es an uns, ihr Vermächtnis zu bewahren."

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