AFP, John MACDOUGALL

Mehrere tausend Menschen demonstrieren in Chemnitz gegen Fremdenfeindlichkeit

01.09.2018

Chemnitz (AFP) - Unter dem Motto "Herz statt Hetze" sind in Chemnitz mehrere tausend Menschen zusammengekommen, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. An der von einem breiten Bündnis getragenen Großdemonstration nahmen am Samstag auch mehrere Spitzenpolitiker wie SPD-Vizechefin Manuela Schwesig, Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch und die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock teil. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. 

Die Lage in der Stadt war nach Angaben der Polizei zunächst "ruhig und friedlich". Aus Sorge vor erneuten Ausschreitungen waren Polizisten aus ganz Deutschland im Einsatz. Am späteren Nachmittag wurde in Chemnitz eine AfD-Kungebung erwartet. Auch die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung will sich beteiligen. Die rechte Organisation Pro Chemnitz rief ebenfalls erneut zu einer Demonstration auf. 

Mehrere Bundes- und Landespolitiker nahmen an der Großdemo gegen Fremdenfeindlichkeit teil. Sie sehe mit "großer Sorge", dass Rechtsradikale Stadt und Land in Geiselhaft nehmen wollten, sagte SPD-Vizechefin Schwesig. Deshalb müsse gegen "Hass, Hetze und Gewalt" demonstriert werden.  

Die Grünen-Vorsitzende Baerbock mahnte, ein "Angriff au Demokratie und Rechtsstaatlichkeit" erfordere ein "Aufstehen der ganzen Gesellschaft". Rechtsextreme seien aber nicht nur ein Problem in Chemnitz, sondern in ganz Deutschland.  

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) rief auf Twitter dazu auf, "entschlossen für die Demokratie einzutreten". Er verwies auf das Motto der Demonstration "Herz statt Hetze". 

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) forderte, Hetzern "unsere Stärke und unsere demokratische Grundüberzeugung mit aller Kraft" entgegenzusetzen. Die Stadt sei von den Ereignissen der vergangenen Tage "aufgewühlt" und in einen Ausnahmezustand versetzt worden. Dass Chemnitz weder "grau noch braun" sei, müsse jetzt in "Wort und Tat" gezeigt werden.

Ein Bündnis von Bürgern, Unternehmen und Wissenschaftlern aus Chemnitz hatte die Bewohner der Stadt unter dem Motto "Chemnitz ist weder grau noch braun" zu mehr Engagement für ein friedliches Miteinander aufgerufen. In mehreren Tageszeitungen erschienen großformatige Anzeigen mit dem Aufruf. Zu den Unterzeichnern gehören zahlreiche in Chemnitz ansässige Firmen.   

Chemnitz habe "seine guten Seiten und seine Probleme", heißt es in dem Aufruf. Die Stadt könne aber nicht mit "Hass, Gewalt, Intoleranz und vor allem Wegschauen" leben. In den vergangenen Jahren sei aus einer grauen Stadt ein buntes, lebenswertes Chemnitz geworden. "Wir müssen und wollen uns wieder einschalten, damit aus bunt nicht braun wird." Vor allem wolle das Bündnis zeigen, das die Mehrheit in der Stadt "demokratisch und offen denkt". Diese Verantwortung müsse jeder übernehmen. 

In Chemnitz war vergangenes Wochenende ein 35-jähriger Deutscher getötet worden. Zwei Männer aus Syrien und dem Irak sitzen deswegen in Untersuchungshaft. Am vergangenen Sonntag kam es nach dem Tod des 35-Jährigen zu Demonstrationen in der Stadt, an denen sich auch gewaltbereite Rechtsextreme beteiligten. Dabei wurden auch Ausländer angegriffen. Bei erneuten Demonstrationen am Montagabend wurden bei Krawallen mehrere Menschen verletzt.

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