AFP, Martti Kainulainen

Kataloniens Ex-Regionalpräsident Puigdemont in Deutschland festgenommen

24.03.2018

Berlin (AFP) - Der von der spanischen Justiz gesuchte frühere katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont ist in Deutschland festgenommen worden. Beamte der Autobahnpolizei Schleswig-Holstein nahmen ihn am Sonntagvormittag auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls in Gewahrsam, wie ein Sprecher des Landeskriminalamts in Kiel der Nachrichtenagentur AFP sagte. Nach Angaben seines Anwalts wurde Puigdemont nach der Einreise aus Dänemark gestoppt. Gegen den Unabhängigkeitsbefürworter läuft in Spanien ein Verfahren wegen "Rebellion" und "Aufwiegelung". 

Laut seinem Verteidiger war Puigdemont am Sonntag auf dem Weg von Finnland nach Belgien, wo er seit Oktober im Exil lebt. Sein Mandant sei "korrekt behandelt worden" und befinde sich zusammen mit seinen Anwälten in einem Polizeirevier, schrieb Jaume Alonso-Cuevillas im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Nach Informationen des Magazins "Focus" hatte der spanische Nachrichtendienst das Bundeskriminalamt (BKA) alarmiert, als sich Puigdemont von Finnland in Richtung Deutschland aufmachte. Das BKA habe dann den entscheidenden Hinweis an das Landeskriminalamt in Schleswig-Holstein gegeben.

Puigdemont war seit Donnerstag in Finnland zu Besuch gewesen und hatte dort unter anderem Parlamentsabgeordnete getroffen. Auch die finnische Polizei hatte sich nach eigenen Angaben um eine Festnahme des Katalanen bemüht.

Puigdemonts Parteifreund Joaquim Torra Pla erklärte, die Festnahme sei keine "deutsche Angelegenheit". Die "Europäische Union als Ganzes" stehe nun in der Verantwortung, schrieb der Abgeordnete der Partei Zusammen für Katalonien auf Twitter. 

Der ehemalige katalanische Regionalpräsident und Unabhängigkeitsbefürworter Puigdemont wird in Spanien wegen "Rebellion", "Aufwiegelung" und des Vorwurfs der Veruntreuung öffentlicher Gelder gesucht. Allein wegen des Vorwurfs der "Rebellion" drohen ihm in Spanien bis zu 30 Jahre Haft. Am Freitag hatte das Oberste Gericht in Madrid den im Dezember ausgesetzten europäischen Haftbefehl gegen ihn und fünf weitere Unabhängigkeitsbefürworter reaktiviert. 

Das katalanische Parlament in Barcelona unterbrach am Samstag die Debatte über die Wahl eines neuen Regionalpräsidenten, nachdem der Kandidat Jordi Turull zusammen mit vier weiteren führenden Unabhängigkeitsbefürwortern am Freitag vorläufig festgenommen worden war. Das Oberste Gericht hatte die Festnahmen angeordnet. Zudem wurde Anklage erhoben gegen insgesamt 25 Unabhängigkeitsbefürworter. Es war das dritte Mal, dass eine Justizentscheidung die Wahl eines neuen Regionalpräsidenten verhinderte.

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