AFP, YANN COATSALIOU

Frankreich gedenkt am ersten Jahrestag des Anschlags von Nizza der 86 Opfer

14.07.2017

Nizza (AFP) - Mit einer Trauerzeremonie hat Frankreich am ersten Jahrestag des Lkw-Anschlags von Nizza der 86 Todesopfer gedacht. An der Gedenkveranstaltung in der südfranzösischen Küstenstadt nahmen am Freitag Opferangehörige, Helfer und zahlreiche politische Persönlichkeiten teil, unter ihnen Staatschef Emmanuel Macron und seine beiden Vorgänger François Hollande und Nicolas Sarkozy. Die Verlesung der Namen der Todesopfer trieb zahlreichen Teilnehmern Tränen in die Augen.

Zu Beginn der Gedenkzeremonie wurden Vertreter von Polizei und Rettungskräften sowie Bürger mit Orden ausgezeichnet. Unter ihnen war der Franzose Franck Terrier, der nach dem Anschlag als "Motorroller-Held" bekannt wurde. 

Er hatte am Abend des 14. Juli 2016 mit seinem Motorroller die Verfolgung des Lastwagens aufgenommen, der auf dem bekannten Strandboulevard Promenade des Anglais in die Menschenmenge gerast war. Anschließend klammerte er sich an das Führerhaus und schlug auf den Angreifer ein, um den Lkw zu stoppen. Terrier wurde am Freitag bei seiner Auszeichnung mit dem Orden der französischen Ehrenlegion mit besonders langem Applaus bedacht.

Teil der Gedenkzeremonie war auch eine Militärparade. Anschließend sangen zwei Chöre das Lied "Nissa la bella", die Hymne von Nizza. Nach der offiziellen Trauerfeier wollte Staatschef Macron Familien der Anschlagsopfer treffen. Am Abend war ein Gedenkkonzert geplant, außerdem sollten weiße Luftballons aufsteigen und 86 Scheinwerfer in den Himmel strahlen.

Den ganzen Tag über hatten sich in Nizza Menschen in Kondolenzbücher eingetragen und am Anschlagsort weiße Rosen für die Opfer niedergelegt. Aus tausenden Tafeln mit den Namen der Toten wurde auf einem Bürgersteig in den Landesfarben Blau, Weiß, Rot der französische Wahlspruch "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" gebildet.

Ein 31-jähriger Tunesier war am 14. Juli 2016 nach dem traditionellen Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag mit einem gemieteten 19-Tonner in eine Menschenmenge gerast. Der Angreifer tötete 86 Menschen und verletzte mehr als 450 weitere, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte den Anschlag für sich. Allerdings haben Ermittler bis heute keine direkten Kontakte des Mannes zum IS aufzeigen können.

Das Blutbad am französischen Nationalfeiertag löste weit über Frankreichs Grenzen hinaus Entsetzen aus. In den folgenden Monaten gab es in Berlin, London und Stockholm tödliche Anschläge, bei denen Angreifer mit Fahrzeugen in Menschenmengen fuhren.

In Frankreich wurden seit Anfang 2015 bei islamistischen Anschlägen 239 Menschen getötet. Seit der Pariser Anschlagsserie vom 13. November 2015 mit 130 Toten herrscht in dem Land der Ausnahmezustand. Er wurde zuletzt bis Anfang November verlängert.

© Copyright AFP Agence Fance-Press GmbH

Wir versuchen Dich anzumelden...

Kostenlos mails versenden?

Dann loggen Sie sich hier ein: