AFP, Thomas Lohnes

Zehntausende Frankfurter verlassen für Bombenentschärfung ihre Wohnungen

03.09.2017

Frankfurt/Main (AFP) - Für die Entschärfung einer fast zwei Tonnen schweren Weltkriegsbombe haben am Sonntagmorgen in Frankfurt am Main zehntausende Menschen ihre Wohnungen verlassen. In der Sperrzone rund um den Fundort der Bombe leben laut Polizei rund 65.000 Menschen. Es handelt sich um die größte Massenevakuierung der Nachkriegszeit.

Hunderte Polizeibeamte prüften am Sonntagmorgen Haus für Haus, ob sich tatsächlich niemand mehr in dem Gebiet befindet. Bis 8.00 Uhr sollten eigentlich alle Bewohner die Zone mit einem Radius von anderthalb Kilometern rund um den Fundort der Bombe verlassen. Doch auch noch eine Stunde danach hielten sich dort noch Menschen auf, wie ein AFP-Reporter beobachtete. Vereinzelt kamen Menschen erst aus den Häusern, nachdem Polizisten minutenlang geklingelt und sie zum Verlassen des Gebiets aufforderten. Die meisten Menschen seien aber einsichtig, sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizei hofft, dass sie bis Sonntagmittag das gesamte Gebiet überprüft und es tatsächlich alle Menschen verlassen haben. Erst dann beginnen die Spezialisten des Kampfmittelräumdiensts mit der Entschärfung der Bombe, die mehrere Stunden dauern wird. Der Zeitplan sieht vor, dass diese am späten Nachmittag abgeschlossen ist. Am Abend sollen die betroffenen Bürger dann wieder nach Hause zurückkehren können.

Die Evakuierungsmaßnahmen waren bereits am Samstag angelaufen. Zwei Krankenhäuser und mehrere Altenheime mussten geräumt werden. In der Sperrzone liegen unter anderem auch das Polizeipräsidium und die Gebäude des Hessischen Rundfunks. Für betroffene Anwohner gibt es verschiedene Angebote in der Stadt, um den Tag zu verbringen. So können sie etwa kostenlos Museen besuchen.

Die 1,8 Tonnen schwere und mit 1,4 Tonnen Sprengstoff gefüllte Weltkriegsbombe war am Dienstag auf einer Baustelle nahe der Frankfurter Universität gefunden worden. Die Sperrzone umfasst große Teile mehrerer zentrumsnaher Stadtteile. Den ganzen Tag kommt es in Frankfurt zu weiträumigen Umleitungen im Straßenverkehr. Auch im öffentlichen Nahverkehr gibt es erhebliche Einschränkungen, weil in dem Sperrgebiet keine Busse und Bahnen fahren. 

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