AFP, Daniel Naupold

Süßwarenindustrie trotz großer Herausforderungen verhalten optimistisch für 2018

15.03.2018

Berlin (AFP) - Brexit, Handelsstreit, fehlende Lkw-Fahrer: Die deutsche Süßwarenindustrie sieht sich mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert - zeigt sich für das Geschäftsjahr 2018 aber verhalten optimistisch. Wie der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) am Donnerstag erklärte, bereitet den Unternehmen unter anderem das Exportgeschäft Sorge. Der Exportumsatz mit Süßwaren und Knabberartikeln ging im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro zurück.

Grund dafür ist vor allem eine schwächere Nachfrage im europäischen Binnenmarkt, besonders in Großbritannien. Der Brexit werfe "seine Schatten voraus", erklärte der BDSI. In den ersten drei Quartalen 2017 gingen die nach Großbritannien exportierte Menge an Waren um 6,1 Prozent und der Wert um 5,1 Prozent zurück. Grund dafür sei das schwächere Pfund nach der Brexit-Entscheidung. Insgesamt blieb die Produktion der 200 Hersteller mit 3,8 Millionen Tonnen aber 2017 stabil.

Auch die derzeitigen Handelsstreitigkeiten mit den USA sieht die Branche mit Sorge. Sollte die Regierung in Washington neben Rohstoffen auch Süßwaren und Knabberartikel ins Visier für Strafzölle nehmen, "würde uns das sehr treffen", sagte BDSI-Hauptgeschäftsführer Klaus Reingen in Berlin. Die USA seien außerhalb von Europa der wichtigste Absatzmarkt. Insgesamt beträgt die Exportquote der Süßwarenbranche ungefähr 50 Prozent.

Ein "großes praktisches Problem" ist dem Verband zufolge auch der zunehmende Mangel an Berufskraftfahrern in Europa, wodurch es zu Lieferengpässen kommt. Besonders deutlich wurde das demnach bei der Organisation des Weihnachtsgeschäfts im November vergangenen Jahres, als Fahrer zur Auslieferung fehlten. Seit die Bundeswehr kaum noch Kraftfahrer ausbilde, sei der Engpass spürbarer geworden. Zusätzlich sei die vielerorts marode Infrastruktur ein Problem, erklärte der Verband und begrüßte vor diesem Hintergrund angekündigte Investitionen der neuen Regierung.

Positiv sieht der Verband auch den Ansatz der großen Koalition, die Branche bei der Nationalen Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz mit einzubeziehen, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht. Kritisch sieht der BDSI eine Kennzeichnung nach Art einer Lebensmittelampel, wie sie immer wieder diskutiert wird: Dies sei ein "Weg in die Irre" und verwirre den Verbraucher mehr, als dass es ihm helfe, sagte der BDSI-Vorsitzende Stephan Nießner. Ein "einzelnes Lebensmittel" könne nicht pauschal als ungesund bewertet werden.

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