AFP, LOUAI BESHARA

IKRK-Bericht: Zahl bewaffneter Konflikte weltweit seit 2001 verdoppelt

18.06.2018

Genf (AFP) - Die Zahl bewaffneter Konflikte in aller Welt hat sich seit dem Beginn dieses Jahrhunderts mehr als verdoppelt. Zudem entstanden in den vergangenen sechs Jahren mehr bewaffnete Gruppen als in den 60 Jahren zuvor. Dies geht aus einem Bericht hervor, den das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag in Genf veröffentlichte.

Durch diese Entwicklung werde es immer komplizierter, Kämpfer von einer Einhaltung der grundlegenden humanitären Prinzipien zu überzeugen, heißt es in dem Bericht. Das IKRK überwacht maßgeblich die Einhaltung der Genfer Konventionen, die Regeln für den Schutz von Menschen enthalten, die nicht an Kampfhandlungen beteiligt sind.

Der Bericht weist darauf hin, dass das IKRK in der Vergangenheit überwiegend mit nationalen Armeen und gut strukturierten Rebellengruppen kommunizierte, um internationales humanitäres Recht in deren Verhaltensregeln zu verankern. Die Vorgehensweise müsse aber überarbeitet und an die heute kämpfenden Gruppen angepasst werden.   

Zwischen 2001 und 2016 stieg die Zahl "nicht-internationaler bewaffneter Konflikte" von 30 auf mehr als 70, wie das IKRK weiter mitteilte. Auch die Zahl der an Konflikten beteiligten Gruppen änderte sich demnach. "Nur ein Drittel der Konflikte findet heute zwischen zwei Parteien statt", während an 44 Prozent der Konflikte "zwischen drei und neun gegnerische Gruppen" beteiligt seien.

Extremes Beispiel sei die libysche Stadt Misrata, in der im Jahr 2011 236 bewaffnete Gruppen gezählt wurden. Und für das Bürgerkriegsland Syrien habe das Carter Center im Jahr 2014 tausend kämpfende Gruppen registriert.

Brian McQuinn, Mitverfasser des Berichts, verwies im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP darauf, dass die bewaffneten Gruppen immer unterschiedlicher organisiert seien. In der Vergangenheit habe die Struktur von Rebellengruppen wie etwa den Maoisten in Asien zumeist die Struktur der gegnerischen staatlichen Armee widergespiegelt. 

Angesichts der inzwischen lockereren Kommandostrukturen müsse das IKRK neue Strategien entwickeln, um eine Kultur der Zurückhaltung - vor allem Respekt vor Zivilisten - auf den  Schlachtfeldern der Gegenwart durchzusetzen. 

"Die zunehmende Zahl dezentraler Gruppen auf dem Schlachtfeld - oft verbunden mit wechselnden Allianzen - macht Gespräche und Einflussnahme auf allen Seiten schwieriger, aber nicht unmöglich", erklärt das IKRK. Jede bewaffnete Gruppe müsse zunächst in ihrer Struktur verstanden werden, bevor sie über humanitäre Regeln aufgeklärt werden könne. 

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