AFP, Caroline Seidel

Experten bescheinigen Bundesregierung miserable Klimaschutzbilanz

07.09.2017

Berlin (AFP) - Deutschland droht seine Klimaziele für 2020 drastisch zu verfehlen. Ohne zusätzliche Maßnahmen dürfte nach einer am Donnerstag veröffentlichten Studie von Agora Energiewende bis dahin lediglich eine Minderung des Treibhausgasausstoßes um 30 bis 31 Prozent erreicht werden. Die Bundesregierung war bislang von etwa minus 35 Prozent verglichen mit 1990 ausgegangen. Verbindlich zugesagt ist eine Reduzierung um mindestens 40 Prozent.

Nach den Zahlen von Agora Energiewende dürfte Deutschland damit 2020 etwa 120 Millionen Tonnen CO2 zu viel ausstoßen, wenn nicht noch zusätzlich gegengesteuert wird. Als Ursachen nennt der Klima-Thinktank das Ausmaß der Kohleverstromung, mehr Straßenverkehr, verglichen mit früheren Prognosen stärkeres wirtschaftliches Wachstum sowie einen Rückstand bei der energetischen Gebäudesanierung.

"Ein deutliches Verfehlen des 2020-Klimaschutzziels würde dem internationalen Ansehen Deutschlands erheblich schaden", warnen die Experten. Dies sei nicht nur schlecht für das Klima sondern würde "auch die deutsche Vorreiterrolle international grundlegend in Frage stellen".

Auch der Bundesregierung war bisher schon bewusst, dass ohne erhebliche zusätzliche Anstrengungen die Ziele für 2020 verfehlt würden. Das Ausmaß der zu überbrückenden Lücke ist nun jedoch offensichtlich noch wesentlich größer als bislang angenommen.

Agora Energiewende versteht sich als unabhängige Denkfabrik, in der renommierte Wissenschaftler und Institute vorwiegend aus dem Bereich Energiepolitik mitarbeiten. Sie wird getragen von der Mercator Stiftung und der European Climate Foundation.

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