AFP, Andreas Gebert

Bedford-Strohm verurteilt Kriminalisierung von Seenotrettern im Mittelmeer

16.06.2019

Berlin (AFP) - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Münchner Bischof Heinrich Bedford-Strohm, hat die Kriminalisierung von privaten Seenotrettern im Mittelmeer verurteilt. "Menschen ertrinken zu lassen, kann keine migrationspolitische Lösung sein", sagte er der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe). Es käme auch "niemand auf die Idee, einen Unfallfahrer, der unangeschnallt an einen Baum gefahren ist, zur allgemeinen Verkehrserziehung verbluten zu lassen".

Die Tatsache, dass "Menschen, die Ertrinkende aus dem Mittelmeer retten, dafür auch noch kriminalisiert werden", bezeichnete Bedford-Strohm als "eine Schande" für ganz Europa. Argumente, es gebe ansonsten einen "Sog-Effekt" wies der Bischof zurück. Es gebe schon lange kaum noch Retter in den Gewässern vor Libyen und "dennoch haben fast 3000 Menschen in den letzten 18 Monaten ihr Leben im Mittelmeer verloren".

Auch eine Rückführung Geretteter an die nordafrikanische Küste lehnte Bedford-Strohm ab. "Die Menschen auf den Booten kommen aus Lagern in Libyen, in denen grausamste Zustände herrschen, sie sind Zwangsprostitution, Folter und Sklavenarbeit ausgesetzt, um sich das Geld für die Überfahrt zu verdienen." Von "verbrecherischen Schlepperbanden" würden sie dann in diese Boote gesetzt. "Wenn man diese Menschen wieder der sogenannten libyschen Küstenwache übergibt, beginnt dieses Martyrium von neuem. Das kann keine Lösung sein."

Bedford-Strohm forderte stattdessen eine neue Debatte über legale Flucht- und Asylwege. "Es kann nicht sein, dass man ein Asylverfahren nur bekommt, wenn man sich zuvor auf dem Weg nach Europa in Lebensgefahr gebracht hat", sagte der Bischof. Notwendig sei stattdessen "ein Verteilmechanismus, der gerettete Menschen in verschiedenen Ländern Europas in Sicherheit bringt". Er verwies dabei auf die von vielen europäischen Städten erklärte Bereitschaft, diese Menschen aufzunehmen.

Behindert wird die Seenotrettung derzeit besonders von Italiens rechtspopulistischer Regierung. Allerdings verhalten sich auch andere EU-Staaten restriktiv gegenüber den privaten Helfern.

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