AFP, AXEL SCHMIDT

Aus Deutschland abgeschobener Afghane bringt sich offenbar um

11.07.2018

Berlin (AFP) - Nach dem mutmaßlichen Suizid eines aus Deutschland abgeschobenen Afghanen ist Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) massiv in die Kritik geraten. Seehofer hatte sich zufrieden darüber gezeigt, dass mit dem Abschiebeflug an seinem 69. Geburtstag 69 Menschen in das Krisenland zurückgebracht wurden. Die Linke warf Seehofer am Mittwoch "mörderische Schadenfreude" vor und forderte seinen Rücktritt. Die Grünen kritisierten eine "sprachliche und politische Verrohung".

Die umstrittene Äußerung machte Seehofer am Dienstag bei der Vorstellung seines "Masterplans Migration". "Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag - das war von mir nicht so bestellt - sind 69 Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden", sagte er. "Das liegt weit über dem, was bisher üblich war." Der Flug war am Mittwoch der vergangenen Woche von München aus gestartet.

Einer der Insassen des Fluges wurde inzwischen tot in einer Zwischenunterkunft in Kabul aufgefunden, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums unter Berufung auf Angaben der afghanischen Behörden am Mittwoch mitteilte. Nach Auskunft der afghanischen Behörden habe es sich um Suizid gehandelt. Der Sprecher bezeichnete den Tod des aus Hamburg abgeschobenen Mannes als "fürchterlichen Vorfall".

Der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl zufolge handelt es sich bei dem Afghanen um einen 23-Jährigen, der acht Jahre lang in Deutschland gelebt haben soll. "Durch die Abschiebung in eine perspektivlose Lage und in ein Land, dessen Realität er kaum noch kennt, wurde der junge Mann offenbar in eine Lage getrieben, in der er keinen Ausweg mehr sah", erklärte Pro Asyl.

Linke und Grüne kritisierten Seehofer angesichts der zuvor von ihm geäußerten Zufriedenheit über die Abschiebung scharf. "Die diebische Freude" Seehofers über die Abschiebung von 69 Menschen an seinem 69. Geburtstag entlarve sich angesichts des tragischen Todes "als geradezu mörderische Schadenfreude", erklärte die Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke.

"Ein Innenminister, der sich öffentlich darüber freut, dass Menschen in ein Kriegsland zurückgeschickt werden, hat offensichtlich nicht nur ein eklatantes Defizit an Mitmenschlichkeit, sondern auch an Qualifikation für sein Amt", fügte Jelpke hinzu. "Aus meiner Sicht gehört Seehofer entlassen."

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth forderte die Bundesregierung auf, Abschiebungen nach Afghanistan auszusetzen. Seehofer müsse zudem einsehen: "Die sprachliche und politische Verrohung, die er und seine CSU tagtäglich mit vorantreiben, muss ein Ende haben."

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