(dr/spot), BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH

Wie realistisch war der "Tatort: KI"?

21.10.2018

Es war ein ungewöhnlicher "Tatort" aus München mit den Urgesteinen Batic und Leitmayr alias Miroslav Nemec (64) und Udo Wachtveitl (60). Diesmal stand vor allem eine Maschine im Mittelpunkt des Geschehens: Eine Künstliche Intelligenz, die fast wie eine reale Person mit ihrem Gegenüber kommunizieren kann. Reine Erfindung für die Sonntagabend-Unterhaltung oder durchaus Realität?

Der KI- und Roboter-Experte Dr. Florian Röhrbein hat in einem Interview zum "Tatort" eine klare Meinung: "Ich finde die Umsetzung des Themas besonders gut gelungen." Oftmals würde in Filmen mit dystopischen und damit auch übertriebenen Szenarien gearbeitet, in "KI" sei alles jedoch sehr realistisch dargestellt.

Ausgewogene Darstellung der Künstlichen Intelligenz

Auch die Darstellung der Chancen und Risiken solcher Programme empfinde er als "sehr ausgewogen": "Dazu gehört die Gefahr, dass eine KI als Person wahrgenommen werden kann, mit der man eine Beziehung aufbaut, obwohl sie letztlich doch nur Antworten wie im Rahmen einer Google-Suchanfrage liefert."

Solche Programme wie MARIA sind also in einer gar nicht allzu langen Zukunft durchaus denkbar, auch wenn die Technik momentan noch nicht so weit ist wie in diesem Krimi. Derzeit wird weltweit viel Geld und Arbeit in die Forschung gesteckt, um solche Künstlichen Intelligenzen zu entwickeln und irgendwann mal auf die Menschheit loszulassen. Marktreif oder gar so ausgeklügelt wie MARIA ist bislang allerdings noch kein Programm der Welt.

Zuletzt hat im Mai 2018 der Internetriese Google für Furore gesorgt, als das Unternehmen sein System "Duplex" vorgestellt hat. Die Macher haben unter anderem vorgeführt, wie die KI einen Anruf bei einem Friseursalon getätigt und einen Termin vereinbart hat. Der Dame am anderen Ende der Leitung ist dabei jedoch nicht aufgefallen, dass es sich um eine Maschine gehandelt hat. Das Besondere: "Duplex" kann die menschliche Sprache mit Denkpausen, absichtlichen Ungenauigkeiten und unnötigen Fülllauten fast perfekt imitieren. Von dem Programm im Film ist allerdings auch "Duplex" noch meilenweit entfernt.

Im "Tatort: KI" wird ganz am Anfang der sogenannte Turing-Test thematisiert. Dieser Test soll feststellen, ob eine Maschine in der Lage ist, einen Menschen so täuschend echt zu imitieren, dass sein Gegenüber nicht merkt, dass er nur mit einem Programm spricht. Bislang hat noch keine Software dieser Welt den Test bestehen können.

Er ist bereits 1950 entwickelt worden, ihm wird aber erst mit dem Aufkommen der Hochleistungsrechner in den letzten Jahrzehnten echte Bedeutung beigemessen. Die Anordnung: Ein menschlicher Fragesteller führt über eine Tastatur und einen Bildschirm ohne Sicht- und Hörkontakt mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung - mit einem Menschen und einer Maschine.

Wenn der Proband nach intensiver Fragestellung in einem bestimmten Zeitraum - meist rund zehn Minuten - nicht klar unterscheiden kann, wer Mensch und wer Software ist, gilt der Test als bestanden. Es bleibt spannend, wann die Entwicklung so weit fortgeschritten sein wird, dass dieser Test bestanden werden kann.

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