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Wie besessen sind die Deutschen wirklich vom Datenschutz?

24.05.2018

Zwar gelten die Deutschen bei anderen Nationen oft als humorlos und streng, doch auch Tugenden wie Fleiß und Pünktlichkeit werden immer wieder mit uns verbunden. Seit ein paar Jahren wird Deutschland zudem nachgesagt, eine der Nationen zu sein, die am kritischsten mit dem Thema Datenschutz umgeht. In Zeiten, in denen selbst der Präsident der Vereinigten Staaten seine Meinung immer wieder ungefragt in Richtung Twittersphere bläst, ein durchaus heikles Thema. Doch wie steht es wirklich um die Sicherheit der Daten deutscher Nutzer?

In einer Umfrage rund um die Nutzung von Messenger-Programmen im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom gaben 90 Prozent der 1.212 teilnehmenden Internetnutzer ab 14 Jahren zwar an, dass ihnen der Umgang des Anbieters mit persönlichen Daten wichtig sei. Grundsätzlich haben deutsche User allerdings gehörig Nachholbedarf, wie aus einer aktuellen Studie des Sicherheitsunternehmens ESET hervorgeht. Sowohl die Frauen als auch die Männer unter den gut 5.000 befragten Usern vernachlässigen demnach den Schutz ihrer Daten.

Wenn man selbst tätig werden muss...

Zwar sei das Thema Verschlüsselung demnach für 80 Prozent deutscher Frauen und 88 Prozent der Männer ein Begriff, doch sobald man selbst Hand anlegen muss, tut sich eine große Lücke beim Sicherheitsbewusstsein auf. "Die Schere zwischen Kenntnis und Einsatz ist schockierend für eine Nation, die als datenschutzbesessen gilt. Die Pflicht zum Datenschutz gilt anscheinend nur für Firmen oder Behörden - wenn es um eigene Sicherheitsmaßnahmen für private Daten geht, fühlen sich Deutsche nicht verantwortlich oder nehmen möglicherweise das Thema nicht ernst", erklärt Thomas Uhlemann, Security-Spezialist bei ESET.

Warum dies so ist? Es ist anzunehmen, dass die heute vor allem vielzitierte "Convenience", also der Komfort für den Benutzer, eine große Rolle spielt. Bequemlichkeit darf nun einmal nicht unterschätzt werden, selbst wenn es um kritische Daten wie Kontoauszüge oder vielleicht sogar Nacktbilder geht.

Aber mal ganz ehrlich, was soll man von einem herkömmlichen Verbraucher erwarten können, wenn es selbst Donald Trump (71, "Wie ich meine größten Herausforderungen in meine größten Triumphe verwandelte") zu ungemütlich ist, auf seine Sicherheit zu achten. Erst kürzlich berichtete das Politikportal "Politico", dass der amtierende US-Präsident nicht auf die Sicherheitsbedenken seiner Berater eingehe. Demnach nutze Trump zwei iPhones - eines zum Telefonieren, eines für Twitter. Zweiteres sollte er laut seinen Fachleuten eigentlich monatlich wechseln, doch das wolle er nicht, weil es ihm "zu unbequem" sei.

Was ist Verschlüsselung?

In der ESET-Umfrage gaben insgesamt nur 33,2 Prozent der Befragten an, persönliche Daten immer oder zu einem überwiegenden Teil mit einer geeigneten Software zu verschlüsseln. 24,1 Prozent verschlüsseln demnach nur einen geringen Teil, 29,9 Prozent verschlüsseln gar keine Daten und 12,8 Prozent wissen nicht einmal, ob sie eine Verschlüsselung benutzen. Rund zwei Drittel der teilnehmenden Nutzer verschlüsseln ihre Daten also gar nicht oder nur unzureichend.

Doch was ist Nutzern, die Daten verschlüsseln, am wichtigsten? 21 Prozent halten die Verschlüsselung von E-Mails für besonders wichtig, gefolgt von Cloud-Diensten (19,2 Prozent) und Festplatten beziehungsweise entsprechenden Wechselmedien (17,8 Prozent). In Sachen Cloud sind Frauen allerdings deutlich nachlässiger als Männer. Während bei diesen 21,9 Prozent den Schutz entsprechender Daten für besonders wichtig halten, sind es bei den Frauen nur 16,3 Prozent - dabei werden dort beispielsweise häufig sehr persönliche Bilder gespeichert.

Viele der im großen Promi-Nacktfoto-Skandal von 2014 - auch "The Fappening" genannt - veröffentlichten Fotos von Stars stammen aus gehackten Apple-iCloud-Accounts. Nach entsprechenden Ermittlungen hieß es damals von Seiten des Unternehmens: "Nach 40 Stunden Untersuchungsarbeit steht fest, dass die betroffenen Accounts Opfer eines gezielten Angriffs auf die Passwörter und die hinterlegten Sicherheitsfragen waren." Es war demnach also kein Sicherheitsleck für die geklauten Nacktbilder verantwortlich.

Doch auch dieses abschreckende Beispiel hat offenbar nicht jeden davon überzeugt, dass in Sachen Datenschutz nicht die "Convenience" Vorrang haben sollte.

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