(hom/spot), © Olaf Heine / Universal Music

Rea Garvey: "Ich will noch lange in Deutschland wohnen"

14.03.2018

Deutschlands beliebtester Ire ist mit frischer Musik zurück. Auf seinem neuen Album "Neon" rückt sich Rea Garvey in ein anderes Licht. Sein neuer Sound ist nicht mehr nur rockig, sondern es sind auch deutliche Einflüsse von Hiphop zu hören. Im Interview mit spot on news hat Garvey über seine Liebe zu Deutschland gesprochen und verraten, warum er es genießt in Irland kein Star zu sein.

Rea, Ihr neues Album heißt "Neon". Das sind nicht gerade Farben, die man mit Ihnen in Verbindung bringt.

Rea Garvey: Eigentlich wollte ich die Platte "Blacklight" nennen - "Schwarzlicht". Es geht darum für alles eine andere Perspektive zu schaffen. Ich habe meine Tochter gefragt, was sie davon hält? Und sie sagte: "Du meinst wie Neon?" Schließlich bringt Schwarzlicht Neonfarben zum Leuchten. Und ich dachte mir: "Okay, Neon klingt besser."

Aber "Neon" bedeutet im Lateinischen auch etwas "Neues". Und das ist es für mich auch. Ich versuche immer flexibel zu bleiben, damit ich etwas Neues erleben kann. Die Musik ist sehr neu, ich habe viele urbane Einflüsse und diesmal mit vielen Leuten aus dem Hip-Hop-Genre gearbeitet, was ich davor noch nie gemacht habe. Das hat mich sehr inspiriert.

Sie sprechen von urbanen Einflüssen und von Hip-Hop. Hat Sie also auch ihre Wahlheimat Berlin diesmal etwas inspiriert?

Garvey: Normalerweise gehe ich für ein neues Album auf Reisen, um Musik zu jagen. Und dann komme ich zu meiner Frau zurück und sage ihr: "Guck mal, was ich gefangen habe." Zum Schreiben dieses Albums war ich in Schweden, in Island, in London und Miami. Aber ich dachte mir dabei ständig, "ich will einfach nur nach Hause". Aber in Berlin hatte ich noch nie die Leute gefunden, bei denen ich mir dachte, mit denen muss ich unbedingt arbeiten. Doch diesmal habe ich tatsächlich das meiste von der Platte in Deutschland geschrieben.

"Neon" ist Ihr viertes Solo-Album. Sie waren schon immer nah dran, aber noch nie auf der Eins. Ist es diesmal so weit?

Garvey: Ich darf es nicht sagen, aber ich sage es trotzdem: "Fuck yeah!" Ich bin sowas von auf der Zielgeraden, das muss passieren. Ich würde dir ins Gesicht lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir egal ist. Fakt ist, ich will auf jeden Fall auf der Nummer eins stehen.

Sie sind dieses Jahr seit 20 Jahren in Deutschland. Ist das mittlerweile ihre Heimat?

Garvey: Ich bin mittlerweile in Deutschland mehr zu Hause als in Irland. Ich kann mir vorstellen, noch sehr lange in Deutschland zu wohnen. Als ich für das Album in Irland war, habe ich mich nicht zu Hause gefühlt und dachte mir, "das ist alles so anders hier". Und dann habe ich gemerkt, dass ich schon ein bisschen deutsch geworden bin. Das ist nichts Negatives. In Deutschland und vor allem in Berlin fühlt man sich mit der ganzen Welt verbunden. Manchmal fehlt es mir aber auch, am Strand spazieren zu gehen und meine Eltern und meine Schwestern zu sehen. Der Luxus meines Lebens aber ist, dass ich dann einfach in einen Flieger steige und nach Irland fliege.

Was war der Grund für Sie, damals nach Deutschland zu kommen?

Garvey: Ich bin egoistisch. Ich will nach vorne kommen, Erfolg haben. In Irland war ich einer von vielen Musikern, habe mich eingeengt gefühlt. In Deutschland konnte ich mit breiter Brust vorangehen. Ich habe mit meiner Musik nicht das Rad neu erfunden. Aber ich glaube, ich bin ein guter Musiker, der bei den Leuten gut ankommt. Und in Deutschland habe ich mich sofort wohlgefühlt. Ich weiß, ihr sagt das ungern über euch selbst, aber Deutschland ist ein tolles Land.

Würden Sie sagen, Sie sind in Deutschland ein größerer Star als in Irland?

Garvey: 100 Prozent. Ich spiele zwar auch in Irland in vollen Clubs, aber ich habe mich ehrlich gesagt nie überanstrengt, um in Irland immer meine Musik zu präsentieren. Außerdem gefällt es mir, in Irland anonym zu sein. Ich kann einfach in eine Kneipe gehen und keinen interessiert das. Das ist auch sehr gesund, das holt mich immer wieder auf den Boden zurück. Ich bin ein normaler Sterblicher und manchmal steigt dir der Ruhm zu Kopf und dann musst du dich selber einmal erden, um wieder runter zu kommen. In Irland habe ich noch immer das Leben, das ich kannte, bevor ich erfolgreich war.

Im September starten Sie Ihre bisher größte Tour. Werden Sie diese anders vorbereiten?

Garvey: Ich habe schon Bock, was Besonderes zu machen. Ich will den Zuschauern ein Erlebnis bieten. Ich war selbst schon auf vielen Konzerten als Zuschauer und weiß, was ein Ticket kostet. Wenn du selbst mal für acht bis 13 Euro die Stunde gearbeitet hast, dann weißt du auch, wie lange du arbeiten musst, um dir ein Ticket leisten zu können. Und deshalb soll mein Konzert verdammt noch mal gut sein.

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