AFP, Janek SKARZYNSKI

Merkel gedenkt in KZ-Gedenkstätte Auschwitz der Opfer des NS-Völkermordes

06.12.2019

Auschwitz (AFP) - Wenige Wochen vor dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag erstmals das ehemalige deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager besucht und dort der Opfer gedacht. An der Seite des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki durchschritt Merkel am Vormittag das Eingangstor zu dem früheren KZ mit dem zynischen Schriftzug "Arbeit macht frei". 

An der sogenannten Todeswand legte Merkel einen Kranz nieder und gedachte mit einer Schweigeminute der dort ermordeten Häftlinge. An der Mauer hatten die Nazis tausende KZ-Insassen erschossen. Später ist noch ein Gang durch das ehemalige Vernichtungslager Birkenau geplant, wo die Nazis den Großteil der deportierten Juden in den Gaskammern ermordeten.

Merkel besucht die Gedenkstätte auf Einladung der Stiftung Auschwitz-Birkenau, die ihr zehnjähriges Bestehen begeht. Am Tag vor der Abreise der Kanzlerin hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, die Stiftung mit weiteren 60 Millionen Euro zu unterstützen.

Merkel nimmt in Birkenau auch an einem Festakt der Stiftung teil. Zu den Rednern zählt neben Merkel und Morawiecki auch der Auschwitz-Überlebende Bogdan Stanislaw Bartnikowski.

Das KZ Auschwitz-Birkenau war im Zweiten Weltkrieg im damals von Hitler-Deutschland besetzten Polen das größte Vernichtungslager der Nazis. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden dort ermordet, die meisten waren Juden. Auch 80.000 nicht-jüdische Polen, 25.000 Sinti und Roma sowie 20.000 sowjetische Soldaten wurden in dem Lager ermordet, das die Rote Armee am 27. Januar 1945 befreite.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wertete Merkels Besuch in Auschwitz als wichtiges Signal. Die Kanzlerin setze knapp zwei Monate nach dem Anschlag von Halle und in einer Zeit, in der "ein Rechtsruck in der Gesellschaft" zu beobachten sei, ein "ganz wichtiges Zeichen", sagte Zentralratspräsident Schuster, der Merkel in Auschwitz begleitete, vorab der Nachrichtenagentur AFP.

Merkel unterstreiche damit ihre "sehr klare Haltung" zu den Verbrechen der Nazis während des Holocaust. Für ihn gebe es "keinen anderen Erinnerungsort, der so eindringlich die Geschehnisse der Schoa vor Augen führt wie Auschwitz", sagte Schuster. Auch rund 75 Jahre nach der Befreiung lasse das frühere KZ und der dort verübte "industrialisierte Massenmord" die Besucher "erschaudern".

© Copyright AFP Agence Fance-Press GmbH

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