AFP, ABBAS MOMANI

Israel und USA verurteilen Äußerungen von Abbas zur Ursache des Holocaust

02.05.2018

Jerusalem (AFP) - Israel und die USA haben mit Empörung auf antisemitische Äußerungen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas reagiert. Das israelische Außenministerium warf Abbas am Mittwoch vor, "religiösen und nationalistischen Hass gegen das jüdische Volk und Israel" zu schüren. Ministeriumssprecher Emmanuel Nachschon sagte der Nachrichtenagentur AFP, der "Antisemitismus" von Abbas sei "umso erschreckender, da er sich als jemand präsentiert, der Frieden mit Israel schließen will".

Der US-Botschafter in Israel, David Friedman, erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, Abbas habe "einen neuen Tiefstand" erreicht, indem er "Massaker am jüdischen Volk im Verlauf der Geschichte auf ihr 'soziales Verhalten im Zusammenhang mit Zinsen und Banken' zurückgeführt hat". Der US-Nahostbeauftragte Jason Greenblatt nannte die Äußerungen "sehr unglücklich, sehr besorgniserregend und furchtbar entmutigend". "Auf dieser Grundlage kann kein Frieden geschaffen werden."

Abbas hatte am Montagabend in einer Rede vor dem Palästinensischen Nationalrat nahegelegt, dass die Beziehungen der Juden zum Bankwesen mit der jahrhundertelangen Judenfeindlichkeit und somit auch der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten zu tun habe.

"Vom elften Jahrhundert bis zum Holocaust, der in Deutschland stattgefunden hat, waren jene Juden, die nach West- und Osteuropa zogen, alle zehn bis 15 Jahre Massakern ausgesetzt", sagte Abbas vor hunderten Delegierten. Juden würden ihre Verfolgung mit ihrer Religion begründen, sagte Abbas. 

Er zitierte dann aber aus "drei Büchern" jüdischer Autoren, um zu belegen, dass es "Judenfeindlichkeit nicht wegen ihrer Religion, sondern eher wegen ihrer sozialen Funktion" gebe, und fügte hinzu, es sei an dieser Stelle "deren soziale Funktion im Zusammenhang mit Banken und Zinsen" gemeint. 

Der Nationalrat, das Parlament der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), war am Montag erstmals seit Jahren zu dreitägigen Beratungen zusammengetreten. Zuletzt hatte das PLO-Parlament 1996 regulär getagt, 2009 gab es eine Sondersitzung.

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