(tae/spot), Ina Bohnsack

Gil Ofarim: "Kinder zu haben, ist die schönste Erfahrung"

28.02.2020

Gil Ofarim (37, "Ein Teil von mir") präsentiert auf seinem neuen Album "Alles auf Hoffnung" sehr persönliche Songs, in denen er sowohl positive Veränderungen als auch Rückschläge wie den Tod seines Vaters Abi Ofarim (1937-2018) verarbeitet. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht er über Selbstzweifel und das Vatersein.

Den Titeltrack "Alles auf Hoffnung" haben Sie Ihren Kindern gewidmet. Inwiefern hat sich Ihr Blick auf die Welt durch das Vatersein geändert?

Gil Ofarim: Das war ein absoluter Turning Point in meinem Leben und so komisch es klingt, in meinem Fall war es so, dass ich einen gesunden Filter entwickelt habe für die wichtigen und unwichtigen Dinge im Leben. Ich weiß - Kinder zu haben - das ist die schönste Erfahrung, die ein Mensch machen kann.

"Ein Teil von mir" handelt von Ihrem verstorbenen Vater Abi. Die Akustik-Version haben Sie gemeinsam mit Cassandra Steen aufgenommen. Wie war es, gemeinsam mit ihr diesen emotionalen Song zu singen?

Ofarim: Der Song handelt nicht ausschließlich von meinem Vater, sondern auch von Menschen und Erfahrungen, die mich inspiriert haben. Aber ich habe in diesem Song einen sehr persönlichen Moment verarbeitet. Cassandra ist nicht nur eine Kollegin, sondern ich kann sie mittlerweile auch eine sehr gute Freundin, einen Teil der Familie, nennen. Sie war bei der Entstehung des Albums dabei. Ihre Meinung ist mir wichtig. Ich weiß noch, ich habe mich intensiv mit ihr ausgetauscht an dem Tag, an dem der Song entstand. Und für mich war klar, dass ich ihn mit ihr, mit meiner guten Freundin Cassandra, aufnehmen wollte.

In "Nach Dir Der Regen" sprechen Sie Ihren verstorbenen Vater Abi persönlich an. Wie wird es für Sie sein, diesen Song live zu singen?

Ofarim: Ehrlich gesagt habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht und ich möchte das im Vorfeld auch gar nicht. Denn kalt wird es mich sicherlich nicht lassen...

Der Song "Pierrot" handelt von Momenten, in denen Sie sich als trauriger Clown gefühlt haben. Wann haben Sie in den letzten Jahren gute Miene zum bösen Spiel gemacht?

Ofarim: Es gibt oft Momente, in denen man, wenn man in der Öffentlichkeit steht, zu funktionieren hat. Das Publikum erwartet, dass du eine Show ablieferst. Ich will nicht sagen, dass es die Leute nicht interessiert, was in deinem Leben gerade vor sich geht oder ob du heute einen schlechten Tag hast, aber sie erwarten Leistung von dir. So ist es nun mal in diesem Geschäft.

Es bringt nichts zu jammern. Selbst wenn du einen Außenbandriss hast, erwarten die Leute einen perfekten Tanz von dir. Auch wenn du Schmerzen hast, machst du weiter und lieferst ab. Oder wenn du vor einem Mikro stehst und gleich einen Film synchronisieren sollst, du aber privat gerade andere Dinge hast, die dich zum Teil belasten und dich beschäftigen - dann kannst du nicht einfach sagen: "Ich kann heute nicht!". Auf der Bühne strahlt man dann einfach, auch um den Leuten eine tolle Zeit zu geben. Wie sagte Freddie Mercury so schön: "The Show must go on!"

In einem Ihrer Instagram-Posts fragen Sie, "ob ich gut genug bin" und "ob ich noch relevant bin". Haben Sie manchmal Selbstzweifel?

Ofarim: Ich denke, ein Künstler hat immer ein Stück weit Selbstzweifel. Allein aus dem Grund, dass er sich hinterfragen muss. Ob ich gut genug bin? Was heißt das schon? Ich weiß es nicht. Jeder Künstler fragt sich an einem gewissen Punkt in seiner Karriere: "Interessiert es noch jemanden, was ich hier mache?" Ich denke, das ist auch okay. Das ist in gewisser Weise ein Motor, um immer weiter zu machen.

Vor ein paar Monaten haben Sie mehrere Fotos von sich geteilt, als Sie im Teenager-Alter waren. Was würden Sie ihrem jüngeren Ich heute sagen?

Ofarim: Genau dasselbe, was ich unter den Post geschrieben habe. Ich würde dem Gil aus den Neunzigern sagen: "Schnauf durch - entspann Dich. Alles wird gut sein. Alles was Dir widerfährt sind Erfahrungen, ob gute oder schlechte. Alles wird gut, alles auf Hoffnung."

Seit Januar haben Sie eine eigene Radio-Sendung bei Rock Antenne. Geht für Sie damit ein Traum in Erfüllung?

Ofarim: Oh ja. Ich wollte das als Kind schon immer machen. Ich habe - ist echt wahr - aus meinem Kinderzimmer meine eigenen Radiosendungen moderiert. Mit einem kleinen Kassettenrecorder. Ich habe mich selbst aufgenommen und Songs dazu gespielt. Das war also meine Radiosendung auf einem Kassendeck. Jetzt - viele Jahre später - habe ich meine eigene Radiosendung bei meinem Lieblingssender Rock Antenne. Und ich bin dankbar dafür, freue mich sehr! Immer am zweiten Sonntag des Monats heißt es "Chilling in the name..!"

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