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Avicii: Starb er an seiner Superkarriere?

24.04.2018

Ist der junge Super-DJ Avicii ("Stories") an seiner Weltkarriere zerbrochen? Hat er sich zu Tode gearbeitet? Diese Fragen stellen sich viele seiner Freunde und Fans. Der schwedische Starmusiker war während einer Reise nach Oman im Alter von 28 Jahren in Maskat gestorben.

Die Familie Aviciis, der mit bürgerlichem Namen Tim Bergling hieß, schweigt zu den Todesumständen - und bedankt bei seinen Fans und den Freunden, die ihn nach Oman begleitet haben, für ihre Diskretion. Feststeht: Avicii war in seinem Hotelzimmer tot aufgefunden worden.

Behörden halten sich bedeckt

Die Polizei von Oman ließ den Leichnam zweimal obduzieren und teilte anschließend mit: "Wir wissen, was passiert ist, aber wir geben es nicht an die Medien weiter." Akut krank sei er aber nicht gewesen. Nach dem Stand der bisherigen Untersuchungen gebe es keinen Hinweis auf ein Verbrechen. Nach Personen, die mit dem Tod in Verbindung stehen könnten, würde nicht gefahndet. Damit scheinen Tötungsdelikte ausgeschlossen zu sein.

Aus dem Umfeld des Musikers wurde bekannt, dass Avicii zwar Unmengen von Alkohol konsumiert habe, doch in der letzten Zeit trocken war. Viele sehen in dem mörderischen Stress seiner Superkarriere die eigentliche Todesursache.

Unglaubliche Karriere in jungen Jahren

Tim Bergling, der bezeichnenderweise seinen Künstlernamen nach der tiefsten buddhistischen Hölle Avici wählte, war nicht nur ein herkömmlicher DJ. Er war ein begnadeter Komponist und Musikproduzent und führte parallel dazu seine eigenen Songs auf. Popstars wie Madonna, Rita Ora, Chris Martin (Coldplay) oder Nile Rodgers (Chic) standen bei dem Songwriter Bergling Schlange.

In Deutschland eroberte Avicii mit "Wake Me Up" (mit der Stimme des US-Soulsängers Aloe Blacc) die Charts. Der Hit wurde nach "Atemlos" von Helene Fischer der am zweithäufigsten heruntergeladene Song. Für "Wake Me Up" erhielt er den Billboard Music Award der Rubrik Bester Dance Song und den Echo in der Rubrik Hit des Jahres.

Doch mit dem Erfolg - und den Partys - kam der introvertierte Star offenbar nicht sehr gut zurecht. Im Gegenteil: Er beklagte einst in einem Interview seine Einsamkeit. "Es ist sehr leicht, einfach zu feiern. Aber du vereinsamst, bekommst Ängste. Es wird giftig."

War der Stress einfach zu viel?

Hinzu kam der Stress von unzähligen Auftritten. "Zwischen 2008 und 2014 spielte Tim Bergling 725 Live-Shows, mit dem Privatjet von Alarm zu Alarm. Lasershow, Pyrotechnik, Kunstnebelkanonen", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Irgendwann habe er gemerkt, "dass er für das Live-Performen - jeden Tag woanders auf der Welt, jede Nacht Animations-Armewedeln vor Stadien voller jubelnder Fans - nicht gemacht ist. Der Alkohol sollte die Nervosität besänftigen, irgendwann zerstörte er Berglings Körper".

Vor einigen Wochen zeigte Netflix in der Doku "Avicii: True Stories", wie er 2014 auf Tour in Australien ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung. Die Magenkrämpfe fühlten sich an, als würden ihm von vorne und hinten gleichzeitig Messer in den Bauch gestochen, sagte Bergling, er könne nichts mehr essen. Die Ärzte verabreichten ihm das Schmerzmittel Percocet, eine Mischung aus Paracetamol und dem starken Opioid Oxycodon. Bergling zögerte: "That's fucking heroin!"

Doch er brauchte das starke Medikament, auch als ihm Gallenblase und Blinddarm entfernt worden waren. Anders habe er das Tourleben nicht mehr ausgehalten. Ein Leben fast ohne Schlaf, "brutal durchgetaktet" (SZ) von seinem Manager Arash Pournouri. Der sagte in der "True Stories"-Doku: "Tim wird das nicht überleben. Die ganzen Interviews, die Touren durch die Radiostationen, all das ... er wird tot umfallen."

2015 hatte er endgültig genug

Im Sommer 2015 zog Avicii die Notbremse. Er sagte alle Shows ab, entsagte dem Alkohol, fing mit Sport an, gesunder Ernährung, Psychotherapie, um seine Panikattacken in den Griff zu bekommen. Avicii wollte nur noch Musik produzieren, aber nie mehr performen. Er beschäftigte sich mit den Schriften von Carl Gustav Jung, dem Begründer der analytischen Psychologie. Es schien, als sei er stolz darauf, nach acht Jahren Karriere-Wahnsinn und Pop-Jetset, endlich etwas Wahres über sich herausgefunden zu haben.

Freunde glauben, dass diese Rückbesinnung zu spät gekommen ist. Dass seine Gesundheit schon zu angeschlagen gewesen sei. Dass der mörderische Karrierestress ihn letztendlich das Leben gekostet habe. "Mein Herz ist gebrochen", schreibt Raquel Bettencourt in einem bewegenden Abschiedsbrief auf Instagram. Das kanadische Model war bis 2014 die Freundin von Avicii. Die beiden hatten in seinem Haus in Kalifornien gelebt.

Wörtlich schreibt Raquel Bettencourt: "Tim, es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen, als wir unzertrennlich waren. Wir sprachen und lachten bis Sonnenaufgang. Wir gegen die Welt. Erinnerungen für ein Leben. Durch alle unsere Höhen und Tiefen wollte ich nichts mehr, als sicher zu gehen, dass du gesund und glücklich bist und ich wollte immer an deiner Seite sein. Dir Leben geben, etwas, auf das du dich freuen konntest, aber das Universum wollte es anders."