AFP, Nhac Nguyen

Vietnam gedenkt der Opfer des Massakers von My Lai vor 50 Jahren

16.03.2018

Quang Ngai (AFP) - Vietnams Regierung hat am Freitag mit einer Gedenkzeremonie an das Massaker von My Lai erinnert, bei dem US-Soldaten vor 50 Jahren 504 Dorfbewohner - vor allem Frauen, Kinder und alte Männer - getötet hatten. Die Erinnerung an das Massaker sei eine Möglichkeit "vor Krieg zu warnen und Frieden zu bewahren", sagte Pham Thanh Cong, der den Angriff als Elfjähriger überlebt hatte, der AFP.

Cong leitete bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahr die Gedenkstätte in dem heute Son My genannten Dorf in der Provinz Quang Ngai, wo am Freitag die Trauerfeier stattfand. Er sei der "Wahrung der Erinnerungen an das Massaker" verpflichtet, sagte Cong, dessen Familie vor seinen Augen getötet wurde.

Am 16. März 1968 landeten US-Soldaten mit Hubschraubern in den Reisfeldern nahe des Dorfes, das sie für eine Hochburg des Vietcong hielten. Sie warfen Handgranaten und eröffneten das Feuer. Dutzende Dorfbewohner wurden in Bewässerungsgräben zusammen getrieben und erschossen, weitere in der Ortsmitte exekutiert. Die Öffentlichkeit in den USA erfuhr erst später durch die Recherchen des Journalisten Seymour Hersh von den Gräueltaten.

Neben Hersh war auch der ehemalige US-Militärfotograf Ronald Haeberle dafür verantwortlich, dass das volle Ausmaß des Blutbads bekannt wurde. Haeberle war am Tag des Massakers in My Lai und fotografierte die aufgehäuften Leichen, darunter getötete Kleinkinder. Einige seiner Bilder wurden später in der Zeitschrift "Life" veröffentlicht. 

"Da waren keine Kämpfer, das waren alles Zivilisten", sagte Haeber am Freitag am Rande der Trauerzeremonie in Son My der AFP. "Es war ein totales Gemetzel", erinnerte sich der Fotograf.

Das Massaker von My Lai gilt als Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung des Vietnamkrieges und als Antrieb für die Anti-Kriegs-Bewegung in den USA. Dennoch wurde nur ein Offizier für die Taten verurteilt. Leutnant William Calley verbrachte drei Jahre unter Hausarrest, bevor er freigelassen wurde. 

Bei der Zeremonie am Freitag legten im Anschluss an eine Schweigeminute Überlebende Blumen am Denkmal der Gedenkstätte ab - eine Frau mit hochgereckter Faust und einem leblosen Kind auf dem Arm. 

Unter den hunderten Trauergästen waren neben Regierungsvertretern, Überlebenden und Angehörigen auch US-Veteranen. "Es tut noch immer weh daran zu denken, dass wir das getan haben", sagte einer von ihnen der AFP. Im Vietnamkrieg wurden Schätzungen zufolge drei Millionen Vietnamesen getötet. 

© Copyright AFP Agence Fance-Press GmbH

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