AFP, JUNG YEON-JE

Unicef warnt vor Gefahren der Digitalisierung vor allem für benachteiligte Kinder

11.12.2017

Köln (AFP) - Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hat vor den Gefahren der Digitalisierung insbesondere für benachteiligte Kinder gewarnt. Regierungen und Wirtschaft hätten mit den Auswirkungen des technologischen Wandels nicht mitgehalten, erklärte die UN-Organisation in ihrem am Montag veröffentlichten Unicef-Jahresbericht. Hierdurch liefen Millionen benachteiligter Kinder Gefahr, "noch weiter zurückgelassen" zu werden.

Jeder dritte Internetnutzer ist laut Unicef heute jünger als 18 Jahre. Für ihren Jahresbericht untersuchte das Weltkinderhilfswerk nun zum ersten Mal, wie Smartphones, Laptops, Computer und Internet weltweit das Aufwachsen von Kindern verändern.

Zwar hebt der Bericht ausdrücklich den Nutzen digitaler Technologien hervor, den diese für die am stärksten benachteiligten Kinder haben können. Mädchen und Jungen, die in Armut, in entlegenen Regionen der Entwicklungsländer oder in Krisengebieten aufwachsen, könnten hierdurch Chancen für Lernen und Bildung bekommen. 

Millionen Kinder und Jugendliche auf der Welt profitierten jedoch nicht davon, hieß es in dem Bericht weiter. 346 Millionen Heranwachsende in den Entwicklungs- und Schwellenländern – insbesondere in Afrika – seien von der digitalen Welt ausgeschlossen. Es gebe eine "digitale Kluft" beim Zugang und der Art und Weise, das Internet zu nutzen. Diese verfestige besonders bei benachteiligten jungen Menschen eine "Informationsarmut".

Doch auch bei Kindern in den Industriestaaten bringe die digitalisierte Welt Risiken mit sich. "Im Guten wie im Schlechten - die Digitalisierung ist eine unveränderbare Tatsache unseres Lebens", erklärte Unicef-Exekutivdirektor Anthony Lake. "Zu keiner Zeit war es so leicht, Wissen zu teilen und zusammenzuarbeiten - gleichzeitig war es noch nie so einfach, kinderpornografische oder andere verbotene Foto- oder Videomaterialien herzustellen und zu verbreiten," hieß es in dem Bericht.

Das Internet habe neue Wege des Kinderhandels eröffnet, die für Polizei und Strafverfolgung nur sehr schwer zu überwachen seien. Zudem hätten Kinder und Jugendliche viel leichter Zugang zu ungeeigneten und möglicherweise schädlichen Inhalten – oder könnten solche Inhalte selbst produzieren.

Durch die fortschreitende Vernetzung von Kindern und Jugendlichen könnten sich zudem Phänomene wie etwa Mobbing verstärken. Auch seien die Möglichkeiten gewachsen, private Informationen von Kindern zu sammeln und sie für wirtschaftliche oder andere Zwecke auszubeuten.

"In einer digitalen Welt besteht die doppelte Herausforderung, die Gefahren zu vermindern und den Nutzen des Internets für jedes Kind zu vergrößern", lautete das Fazit des Berichts. Er forderte Regierungen, Wirtschaft, Kinderrechtsorganisationen, Hochschulen - aber auch Familien und Kinder selbst - auf, sich für ein sicheres Internet und die Überwindung der "digitalen Kluft" einzusetzen.

Unter anderem müssten Kinder "bezahlbaren Zugang zu qualitativ hochwertigen Onlineangeboten bekommen", "digitale Kompetenzen" lernen und vor Onlinegefahren geschützt werden. Vor allem aber gehörten Kinder "ins Zentrum einer Digitalpolitik".

© Copyright AFP Agence Fance-Press GmbH