AFP, Andreas Arnold

SPD unterstützt Spahns Pläne für Reform der Notfallversorgung

22.07.2019

Berlin (AFP) - Die SPD unterstützt das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Reform der medizinischen Notfallversorgung. "Die Notfallversorgung in Deutschland muss besser organisiert werden", sagte Fraktionsvize Karl Lauterbach der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Online-Ausgabe). Patienten mit leichten Erkrankungen blockierten zu oft die Notaufnahmen, selbst während der Öffnungszeiten von Haus- und Fachärzten. 

"Außerdem sterben in Deutschland mehr Menschen als in manchen anderen Industrienationen an den akuten Folgen von Schlaganfällen, Herzinfarkten oder schweren Unfällen", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass Patienten in die falschen Krankenhäuser gebracht würden. "Zwischen Jens Spahn und mir besteht Einvernehmen, dass es eine Neuregelung braucht", sagte Lauterbach. 

Er sei sicher, dass die Länder mitziehen werden. "Auch sie sehen den dringenden Handlungsbedarf", betone der SPD-Politiker. Ein Gesetzentwurf von Spahn sieht vor, die Nummer 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116 117, unter der die Terminservicestellen der niedergelassenen Ärzte zu erreichen sind, faktisch zusammengeschaltet werden.

Die Mitarbeiter der Leitstelle sollen dann eine erste Einschätzung geben, ob dem Anrufer besser im Krankenhaus oder bei einem ambulanten Arzt geholfen werden kann.

Außerdem soll es an allen Krankenhäusern bundesweit "Integrierte Notfallzentren" (INZ) geben, die von den Kliniken und den Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam betrieben werden sollen. Patienten sollen dort entweder sofort in die Notaufnahme geschickt oder ambulant weiterbehandelt werden.

Zuspruch erhielt Spahn auch von der Bundesärztekammer. "Mit dem Diskussionsentwurf werden endlich konkrete Schritte zu der längst überfälligen Reform der Notfallversorgung aufgezeigt", erklärte Kammerpräsident Klaus Reinhardt. Eine strukturierte Zuordnung des Patienten zu der jeweilig erforderlichen Behandlungsebene biete eine Chance, die individuelle Behandlung zu optimieren, Notfallambulanzen zu entlasten und Wartezeiten zu reduzieren. 

Allerdings müssten die bundesweit etablierten 771 Notfall- und Portalpraxen und andere regionale Besonderheiten in das neue Konzept integriert werden, forderte der Ärztekammerpräsident.

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