AFP, Paul Zinken

Gewaltsamer antisemitischer Übergriff in Berlin sorgt bundesweit für Empörung

18.04.2018

Berlin (AFP) - Ein erneuter antisemitischer Übergriff in Berlin hat Empörung ausgelöst. Drei Unbekannte beleidigten und attackierten zwei eine Kippa tragende junge Männer auf einer Straße im Stadtteil Prenzlauer Berg, wobei ein Opfer durch Schläge mit einem Gürtel leicht verletzt wurde, wie die Polizei mitteilte. Politiker und Verbandsvertreter reagierten entsetzt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem "ganz schrecklichen Vorfall".

Der 21- und der 24-Jährige wurden nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen von drei unbekannten Männern beschimpft und angegriffen. Die Opfer trugen zum Zeitpunkt der Attacke demnach Kippas, die traditionelle Kopfbedeckung von Menschen jüdischen Glaubens.

Einer der Angreifer schlug das jüngere Opfer laut Polizei mit einem Gürtel, bevor er von seinen Begleitern an weiteren Attacken gehindert worden sein soll. Der bei dem Angriff leicht verletzte 21-Jährige folgte den sich entfernenden Tätern, worauf ihn der Angreifer mit einer Flasche zu schlagen versuchte. Das wurde allerdings durch eine Zeugin verhindert.

Der Staatsschutz der Polizei übernahm die Ermittlungen zu dem Fall, den eines der beiden Opfer nach Angaben des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus mit seinem Handy filmte. Das Video wurde im sozialen Netzwerk Facebook geteilt und am Mittwoch von vielen Medien online gezeigt.

Die Polizei hatten nach eigenen Angaben bis zum Nachmittag noch keinen genaueren Erkenntnisse zu den Verdächtigen. Die Ermittlungen dazu liefen, sagte eine Sprecherin der Ermittler.

Merkel forderte nach einem Treffen mit den ostdeutschen Ministerpräsidenten in Bad Schmiedeberg in Sachsen-Anhalt, der Kampf gegen solche antisemitischen Ausschreitungen müsse gewonnen werden. Die Bundesregierung werde alles dafür tun. Es müsse "mit aller Härte und Entschlossenheit" vorgegangen werden.  

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sprach von einer "Schande" für das Land. "Es ist unerträglich, wenn Juden in Deutschland auf offener Straße, mitten in Berlin, angegriffen werden", erklärte Barley. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte die Attacke "unerträglich".

"Hier wurde eine rote Linie überschritten", erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Er sei "erschüttert". Schon vor Jahren habe er darauf hingewiesen, dass es problematisch sei, in muslimisch geprägten Stadtteilen eine Kippa zu tragen. Dieser Vorfall aber habe sich "im gutbürgerlichen Prenzlauer Berg" ereignet.

Dass Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit auf offener Straße attackiert werden, müsse "auf das Schärfste verurteilt werden", erklärte die Integrationsbeauftragte der Regierung, Annette Widmann-Mauz (CDU). Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verurteilte die Tat. "Antisemitismus gehört nicht zum Berlin, in dem wir leben wollen", betonte er.

Auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einer "Schande". Antisemitismus dürfe nie wieder einen Platz in Deutschland haben - "egal aus welchem Umfeld", teilte sie über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Grünen-Bundeschef Robert Habeck warnte vor wachsendem Antisemitismus. Die Entwicklung sei "besorgniserregend". Vertreter von Linken und AfD äußerten sich ebenfalls empört. 

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