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Erste direkte Gespräche seit zwei Jahren zwischen Nord- und Südkorea

09.01.2018

Seoul (AFP) - Erstmals seit rund zwei Jahren haben sich ranghohe Regierungsvertreter Nordkoreas und Südkoreas zu direkten Gesprächen getroffen. Die Unterredung fand am Dienstag in Panmunjom in der demilitarisierten Zone zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten statt. Im Mittelpunkt stand die mögliche Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen im kommenden Monat in Südkorea, wie der südkoreanische Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon mitteilte. Damit setzten beide Seiten ihre Annäherung nach Monaten der Eskalation wegen des nordkoreanischen Raketen- und Atomprogramms fort.

Mit einem Händedruck machten die Delegationsleiter beider Staaten schon zu Beginn ihre Bereitschaft zur Annäherung demonstrativ deutlich. Südkoreas fünfköpfige Delegation wurde von Vereinigungsminister Cho angeführt. Die Delegation aus Pjöngjang leitete dessen Beauftragter für die interkoreanischen Angelegenheiten, Ri Son Gwon. Er brachte in Panmunjom die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Gespräche "wertvolle" Ergebnisse bringen. "Lassen Sie uns den Leuten ein wertvolles Geschenk zum Neuen Jahr machen", sagte Ri. Er war mit seiner Delegation über die militärische Demarkationslinie gelaufen, die Südkoreaner kamen in einem Autokonvoi.

Südkoreas Vereinigungsminister Cho äußerte die Hoffnung, dass die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang "Friedensspiele" mit "sehr kostbaren Gästen aus dem Norden" werden würden. Er hob hervor: "Die Leute haben ein starkes Bedürfnis, dass sich der Norden und Süden Richtung Frieden und Aussöhnung bewegen."

Nordkoreas IOC-Vertreter Chang Ung hatte in den vergangenen Tagen eine Olympia-Teilnahme seines Landes als "wahrscheinlich" bezeichnet. Nun bot die nordkoreanische Delegation bei den Gesprächen in Panmunjom die Entsendung einer hochrangigen Delegation zu den Spielen an, wie das südkoreanische Vereinigungsministerium bekanntgab. Dazu sollten neben den Athleten auch Unterstützer, Künstler, Beobachter und Journalisten zählen. In südkoreanischen Medienberichten hatte es zuvor geheißen, der Norden könnte womöglich sogar die jüngere Schwester von Machthaber Kim Jong Un zu den Spielen schicken.

Seoul wiederum bemühte sich bei den Gesprächen um eine Wiederaufnahme der Familienzusammenführungen zwischen dem Norden und dem Süden, wie die südkoreanische Agentur Yonhap berichtete. Seoul schlug Familientreffen während der Olympischen Spiele vor, die vom 9. bis 25. Februar im südkoreanischen Pyeongchang stattfinden. 

Die Trennung von Familien als Folge des Koreakrieges ist eines der emotionalsten Themen zwischen den beiden Staaten. Etwa 60.000 zunehmend ältere Südkoreaner hoffen nach wie vor, ihre Verwandten aus dem Norden wiederzusehen. Die letzte Runde von Zusammenführungen, in denen Verwandte sich für einige Tage treffen konnten, fand im Jahr 2015 statt.

Die Annährung beider Seiten folgt auf Monate, in denen sich der Konflikt auf der seit 1953 geteilten Halbinsel gefährlich zugespitzt hatte. Nordkoreas Machthaber Kim versetzte die internationale Gemeinschaft mit Raketentests und dem bislang gewaltigsten Atomtest in Aufregung. Er verstieß damit gegen Resolutionen der Vereinten Nationen. Zudem lieferte sich Kim einen verbalen Schlagabtausch mit US-Präsident Donald Trump, der wiederum Nordkorea mit der völligen Zerstörung drohte. All dies löste international die Sorge vor einem Atomkrieg aus.

Der Schwenk kam mit der Neujahrsansprache von Nordkoreas Machthaber Kim. Darin drohte Kim zwar erneut mit Atomwaffen, erwog aber gleichzeitig eine Entsendung von Athleten zu den Olympischen Winterspielen. Seoul antwortete mit einem Gesprächsangebot. Seither wurde ein vor knapp zwei Jahre abgeschalteter Kommunikationskanal zwischen beiden Seiten wieder freigeschaltet. Dann beschlossen beide Seiten, ihren ersten offiziellen Dialog seit mehr als zwei Jahren zu führen. Auch Trump signalisierte zuletzt Gesprächsbereitschaft.

In den vergangenen Tagen hatten die Vereinigten Staaten und Südkorea sich bereits darauf verständigt, jährlich stattfindende gemeinsame Militärübungen auf die Zeit nach den Winterspielen zu verschieben. Weil der Koreakrieg 1953 mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag endete, befinden sich die beiden Staaten formal noch im Kriegszustand. 

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