AFP, Yasin AKGUL

Erdogan erhält 52,5 Prozent bei Präsidentenwahl in der Türkei

25.06.2018

Istanbul (AFP) - Bei den vorgezogenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Türkei hat Recep Tayyip Erdogan mit seiner islamisch-konservativen AKP eine knappe Mehrheit gewonnen. Der AKP-Kandidat kam bei der Präsidentenwahl am Sonntag auf 52,5 Prozent der Stimmen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu nach Öffnung von gut 98 Prozent der Wahlurnen mitteilte. Im Parlament erhielt die Volksallianz aus AKP und der ultrarechten MHP demnach 53,4 Prozent.

In der Türkei waren gegen Mitternacht fast sämtliche Stimmen ausgezählt, doch fehlten noch zahlreiche Stimmzettel der rund drei Millionen Auslandswähler. In Deutschland kam Erdogan nach Öffnung der Hälfte der Wahlurnen auf 65,6 Prozent, bei der Parlamentswahl erreichte die AKP 56 Prozent. Erdogan und seine Partei schneiden bei den türkischen Wählern in Deutschland traditionell besser ab als in der Türkei.

Erdogan hatte noch vor Zählung aller Stimmen und der Verkündung des Endergebnisses den Sieg für sich reklamiert. Die linksnationalistische CHP hatte zuvor Zweifel an den Zahlen von Anadolu geäußert. Die von der Opposition betriebene Plattform Adil Secim, die auf der Grundlage eigener Quellen die Wahlergebnisse veröffentlichte, gelangte am frühen Morgen nach Öffnung von 97 Prozent der Wahlurnen aber zu ähnlichen Ergebnissen wie Anadolu.

Laut dem fast vollständigen Ergebnis auf Anadolu kam Muharrem Ince von der CHP mit 30,8 Prozent auf den zweiten Platz, gefolgt von Selahattin Demirtas von der prokurdischen HDP mit 8,3 Prozent. Demirtas trat aus dem Gefängnis an, da er seit November 2016 in Haft sitzt. Die Nationalistin Meral Aksener von der IYI-Partei, der anfangs ernsthafte Chancen zugerechnet worden waren, landete mit 7,4 Prozent auf dem vierten Platz.

Im Parlament wird das Bündnis aus AKP und MHP laut dem vorläufigen Ergebnis eine klare Mehrheit von 342 der 600 Sitze haben. Dabei schnitt die MHP mit 11,2 Prozent überraschend stark ab, obwohl sich 2017 die IYI-Partei abgespalten hatte. Die Allianz der Nation aus CHP, IYI und der proislamischen Saadet kam auf 34,2 Prozent. Die HDP schaffte es mit 11,5 Prozent erneut über die Zehn-Prozent-Hürde ins Parlament.

Wie bei früheren Wahlen gewann die HDP die mehrheitlich kurdischen Provinzen im Südosten, während die CHP den Sieg in den westlichen Küstengebieten davontrug. In den Metropolen Istanbul und Ankara sowie in vielen Provinzen im Westen und Süden lagen Regierung und Opposition praktisch gleichauf. Im anatolischen Kernland und in den Küstengebieten am Schwarzen Meer errang die AKP wie gewohnt einen klaren Sieg.

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