AFP, TOLGA BOZOGLU

Erdogan, Ruhani und Putin beraten in Ankara über Syrien-Konflikt

04.04.2018

Ankara (AFP) - Die Präsidenten der Türkei, des Iran und Russlands sind am Mittwoch in Ankara zu Gesprächen über den Syrien-Konflikt zusammengekommen. Sie wollen bei dem Gipfel über eine politische Lösung des Bürgerkriegs beraten sowie ihren Einfluss in Syrien absichern. Das Treffen erfolgt zu einer Zeit, da die Rebellen in Ost-Ghuta vor einer schweren Niederlage stehen und US-Präsident Donald Trump den Abzug der US-Truppen aus Syrien verkündet hat.

Vor dem Dreier-Gipfel kam der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zunächst im Präsidentenpalast mit seinem iranischen Kollegen Hassan Ruhani zu bilateralen Gesprächen zusammen. Anschließend traf Ruhani den russischen Staatschef Wladimir Putin. Dieser war bereits am Dienstag zu bilateralen Gesprächen mit Erdogan in die türkische Hauptstadt gereist.

Obwohl die drei Staatschefs unterschiedliche Interessen in Syrien verfolgen, setzen sie sich seit Anfang 2017 im sogenannten Astana-Prozess gemeinsam für die Beendigung des Konflikts ein. Erst im November trafen sie sich zu Gesprächen über Syrien im südrussischen Sotschi. Ihre Gespräche finden parallel zu den Friedensverhandlungen in Genf statt, die von der UNO organisiert werden.

Während der Iran und Russland in Syrien auf Seiten von Machthaber Baschar al-Assad kämpfen, unterstützt die Türkei die Rebellen. Allerdings hat für Erdogan inzwischen der Sturz Assads keine Priorität mehr, sondern die Eindämmung der Kurden. Diese sind mit den USA im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verbündet, doch hat US-Präsident Trump kürzlich angekündigt, den US-Einsatz in Syrien "sehr bald" zu beenden.

Sollten die US-Truppen tatsächlich abziehen, würde dies das Kräfteverhältnis in Syrien erheblich beeinflussen. Die Ankündigung Trumps dürfte ebenso Thema in Ankara sein wie die Räumung der letzten Rebellenbastionen in Ost-Ghuta und das Schicksal der Aufständischen in Idlib und Daraa. Erdogan dürfte zudem seine Pläne für eine weitere Offensive gegen die Kurden ansprechen.

Das Ziel des Gipfels sei es, "die Einflusszonen in Syrien neu zu verhandeln und abzustecken sowie über die Zukunft von Nordsyrien nach dem US-Abzug zu diskutieren", sagte die Politologin Jana Jabbour von der Hochschule Sciences Po in Paris. Erdogan hat wiederholt angekündigt, nach der Einnahme der Kurdenregion Afrin weitere Gebiete der Kurden in Syrien ins Visier zu nehmen.

Wenn die Türkei die Rebellengruppen unter ihrer Kontrolle an den Verhandlungstisch bringe, würden der Iran und Russland ihr im Gegenzug freie Hand gegen die kurdischen Milizen im Norden geben, sagt Jabbour. Die Türkei bleibe wegen der Rebellen, die sie kontrolliert, ein zentraler Akteur in der Syrien-Krise. "Ohne Ankaras Beitrag ist eine Lösung nicht vorstellbar", sagt sie.

Die Türkei-Expertin Elizabeth Teoman vom Institute for the Study of War warnt, dass die Kooperation der Türkei, des Iran und Russlands nicht über ihre Differenzen hinwegtäuschen sollte und der Dialog jederzeit zusammenbrechen könne. Insbesondere drohten Spannungen zwischen Ankara und Moskau, sollten die Regierungstruppen die Rebellen in Idlib ins Visier nehmen.

Nach der Evakuierung von Ost-Ghuta haben sich zahlreiche, überwiegend islamistische Rebellen in Idlib gesammelt. Die Türkei will eine Offensive der Assad-Truppen auf Idlib verhindern, auch weil sonst eine neue Flüchtlingswelle in die Türkei drohen könnte. Russland will dafür, dass Ankara das Dschihadistenbündnis Hajat Tahrir al-Scham unter Kontrolle bringt, das bisher die Provinz kontrolliert.

© Copyright AFP Agence Fance-Press GmbH

Wir versuchen Dich anzumelden...

Kostenlos mails versenden?

Dann loggen Sie sich hier ein: