AFP, HAMZA AL-AJWEH

Empörung über tödlichen Luftangriff auf Schule in Ost-Ghuta

19.03.2018

Duma (AFP) - Die syrischen Regierungstruppen und ihre russischen Verbündeten haben mit einem tödlichen Luftangriff auf eine Schule in der umkämpften Rebellenenklave Ost-Ghuta für Empörung gesorgt. 16 Kinder und vier Erwachsene wurden laut Aktivisten beim Einschlag einer Rakete im Keller der Schule getötet, die Hilfsorganisation Medico International sprach von einer "gezielten Tötung von Kindern". Derweil überrannte die IS-Miliz bei einem Überraschungsangriff eine Ortschaft bei Damaskus.

"Der erneute gezielte Angriff auf die Schutzräume von Schulen zeigt ebenso wie die Giftgasangriffe und die gezielte Zerstörung von Krankenhäusern (...), dass dies ein Krieg ist, der gezielt gegen die Zivilbevölkerung geführt wird. Der russische Bombenangriff war ein targeted killing von Kindern", sagte Till Küster von Medico International, die die Schule unterstützte.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte waren am Montagabend bei dem mutmaßlich russischen Luftangriff auf die Schule in der Ortschaft Arbin 16 Kinder und vier Erwachsene getötet worden, die im Keller vor den seit Wochen anhaltenden Luftangriffen Schutz gesucht hatten. Laut Aktivisten befanden sich dort insgesamt 400 Zivilisten.

"Der russische Einsatz bunkerbrechender Waffen gegen Luftschutzkeller dient keinerlei militärischem Zweck, sondern ist ein terroristischer Akt", sagte Elias Perabo von der Aktivistengruppe Adopt a Revolution, die ebenfalls die Schule unterstützte. "Ein solcher Angriff ist einzig darauf ausgerichtet, möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen und Unsicherheit zu schaffen."

Die syrischen Regierungstruppen hatten im Februar eine großangelegte Offensive auf Ost-Ghuta gestartet. Seither wurden laut der Beobachtungsstelle mehr als 1450 Zivilisten getötet, darunter fast 300 Kinder. Die Armee kontrolliert inzwischen 80 Prozent der einstigen Rebellenenklave, die in drei Teile gespalten ist. Knapp 70.000 Menschen flohen zuletzt vor den Kämpfen.

Auch am Dienstag gab es laut der Beobachtungsstelle 15 neue Luftangriffe auf die Stadt Duma in Ost-Ghuta. Für Medien sind die Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle kaum zu überprüfen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, es liefen Verhandlungen mit den Rebellengruppen, um eine "humanitäre Katastrophe" zu verhindern.

Unterdessen brachte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bei einem nächtlichen Überraschungsangriff die Ortschaft Kadam südlich von Damaskus in ihre Gewalt. Dabei seien 36 Soldaten und regierungstreue Kämpfer getötet worden, erklärte die Beobachtungsstelle. Dutzende weitere Kämpfer würden noch vermisst, seien verwundet oder gefangen genommen worden.

Kadam liegt südlich von Damaskus. Schon seit Jahren sind dort verschiedene islamistische Rebellengruppen sowie die IS-Miliz und ihre Rivalen von dem früheren Al-Kaida-Ableger Hajat Tahrir al-Scham (HTS) präsent. Vergangene Woche verließen hunderte HTS-Kämpfer mit ihren Angehörigen im Zuge einer Vereinbarung mit der Regierung das Gebiet in Richtung der Provinz Idlib.

Die US-Regierung äußerte sich unterdessen "ernsthaft besorgt" über das türkische Vorgehen in der nordsyrischen Region Afrin und kritisierte die Plünderungen in der gleichnamigen Stadt durch protürkische Rebellen nach ihrer Einnahme am Sonntag. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wies die Kritik zurück und warf den USA "Täuschung" vor.

"Auf der einen Seite nennt ihr die Türkei 'unseren strategischen Partner', doch dann kooperiert ihr mit einer Terrororganisation? Die Lage ist klar", sagte Erdogan am Dienstag in Ankara und warf den USA vor, den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) für den Kampf gegen die IS-Miliz 5000 Lastwagenladungen mit Waffen geliefert zu haben.

Die Türkei betrachtet die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation und will aus Afrin und anderen Grenzgebieten vertreiben. Die USA schätzen die Gruppe dagegen als schlagkräftigen Verbündeten gegen die IS-Miliz und unterstützen sie trotz der Proteste ihres Nato-Partners weiterhin mit Waffen.

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