AFP, Arne Dedert

Dax-Aufsichtsratschefs verdienen erstmals im Schnitt mehr als 400.000 Euro

26.04.2018

Frankfurt/Main (AFP) - Die Aufsichtsratschefs der Dax-Konzerne haben im vergangenen Jahr erstmals im Schnitt mehr als 400.000 Euro verdient. Das waren 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die Unternehmensberatung HKP am Donnerstag erklärte. Vorstandsvorsitzende, die unter Kontrolle des Aufsichtsrats stehen, verdienen demnach 14 Mal mehr. Spitzenverdiener mit 800.000 Euro war 2017 wie im Vorjahr der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner. 

Gar nichts dagegen verdiente VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch im vergangenen Jahr für seine Tätigkeit im Kontrollgremium: Er verzichtete auf seine Bezüge. 

In der Rangliste der Spitzenverdiener folgt nach Achleitner Norbert Reithofer bei BMW mit 640.000 Euro. Dahinter kommen Gerd Krick beim Gesundheitskonzern Fresenius mit 632.000 Euro, Gerhard Cromme bei Siemens mit 617.000 Euro und Simone Bagel-Trah bei Henkel mit 583.000 Euro. Die Firmenerbin ist auch drei Jahre nach Einführung der Frauenquote die einzige Frau an der Spitze eines Dax-Aufsichtsrats.

Am wenigsten verdienten Ulrich Lehner im Aufsichtsrat von Thyssenkrupp mit 212.000 Euro, Wolfgang Mayrhuber beim Chiphersteller Infineon mit 2016.000 und Reinhard Pöllath beim Kosmetikkonzern Beiersdorf mit 224.000 Euro.

Die meisten Konzerne haben die Bezahlung der Aufsichtsräte mittlerweile auf ein Festgehalt umgestellt - nach Ansicht von Joachim Kayser von HKP genau der falsche Schritt: "Aufsichtsratschefs vertreten Aktionäre, deshalb sollte sich ihre Vergütung auch am Unternehmenserfolg orientieren".

Kayser forderte zudem, die Bezüge der Chef-Aufseher eher denen der Vorstandsvorsitzenden anzupassen. "Im Schnitt verdienen Aufsichtsratschefs sieben Prozent der Vorstandschefs - arbeiten aber deutlich mehr als sieben Prozent verglichen mit den Vorständen". 

Die Rolle des Aufsichtsrats verändere sich zunehmend: Aufsichtsräte müssten viel öfter über Personalien entscheiden - wie etwa zuletzt bei Volkswagen und der Deutschen Bank, wo sie die Konzernchefs austauschten. Außerdem sei der Aufsichtsrat immer stärker an strategischen Entscheidungen beteiligt.

Spitzenverdiener Achleitner etwa bekommt ein Viertel des Gehalts seines Vorstandsvorsitzenden - und ist damit noch am ehesten mit ihm auf Augenhöhe. Am größten sind die Unterschiede bei HeidelbergCement, SAP und Merck, wo der Konzernchef 30 Mal mehr verdient als der Aufsichtsratschef.

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